Über das Leben, das Universum und den ganzen Rest…

Es gibt Vorkommnisse, da gehen bei mir innerlich die Scheuklappen runter, da bin ich schon vorab genervt, weil ich meine zu wissen, was als Nächstes passiert. Nennt mich Hellseher.

Wenn zum Beispiel ein männlicher Jugendlicher schwer bewaffnet Menschen ermordet, kann es nicht lange dauern und seine Libelingscomputerspiele werden thematisiert. Das ist halt schön einfach, da meint jeder etwas zu sagen zu können. Und so war mir auch realtiv klar, was nach der abgebrochenen Wetten dass…?? Sendung am Samstag passieren wird. Es wird eine Debatte geben, ob das Fernsehen insb. das öffentlich rechtliche Fernsehen nicht doch zu sehr auf die Quote achtet mit viel zu gefährlichen Wetten.

Aha. Erstmal kriege ich schon einen Brechreiz, wenn ich das Wort „Debatte“ höre. Die Debatte im öffentlichen Raum ist meiner Meinung nach ein Synonym für „Wir quaseln Thema X mehr oder weniger komptent solange tot, bis ein neueres spannenders Thema auf dem Tisch ist“ – die Konsequenzen aus diesem Gedankenaustausch sind überschaubar bzw. gleich null. Ich erinnere mich zum Beispiel an die Debatte (würg) nach dem Selbstmord von Robert Enke. Da hieß es dann auch, dass man mal diskutieren müsste, wie man mit unseren Profifussballern umgeht, dass sich da in den Stadien etwas ändern müsste. Wirklich alle waren sich tooooootal einig, dass jetzt alles anders werden muss. Wie scheinheilig! Es hat sich doch eigentlich gar nix geändert. Die BILD vergibt weiterhin eine 6 für schlechte Leistungen und die Zuschauer im Stadion beschimpfen den Schiri und schlechte Pässe genauso wie eh und je. Das ist quasi gelebte Demokratie. Die Mehrheit der Menschen hat sich entschieden, den Tod von Enke nicht weiter zu thematisieren, sondern einfach weiterzumachen, wie gewohnt und wie es vor allem Spaß macht – irgendwie menschlich, wenn es vielleicht auch grausig klingt. [Anm.d.Red.: Von der grauenvollen Debatte um das überflüssige Buch von T. Sarazzin will ich gar nicht erst anfangen, da echauffier ich mich nur wieder. Und nein, ich glaube nicht, dass das irgendwelche positiven Auswirkungen auf die Intergration hat!]

Bei Wetten dass…?? kann es doch eigentlich nicht anders sein. Da wird jetzt erzählt, dass die Wetten unspekatukälrer sein sollen, dass mehr auf Hirnschmalz-Wetten gesetzt werden sollte, als auf Artistik. Gut, man kann eine 3-Stunden-Show natürlich zu einer verlängerten Mathematik-Show machen, die noch mit einer Kinderwette garniert wird. Aber will das jemand sehen? Und jetzt soll mit keiner mit der Promicouch kommen, wo die Gespräche so interessant wird. Der Teil der Show, wie auch T. Gottschalks Witze und Moderation wird doch jedesmal von Medienkritikern als belanglos zerrissen. Aber nehmen wir einmal kurz an, die Samstagabendsupershow würde nur noch mit Kopfwetten ausgestattet. Wie schnell würde das dann als langweilig und eintönig kritisiert? Wie schnell würde gemosert, dass früher alles besser war? Wie schnell würde sich beschwert, dass man für so einen langweiligen Mist doch keine Gebühren zahlen will, weil zB. RTL das doch so viel besser macht!?

Wetten dass lebt davon, dass Spektakuläres passiert, dass Menschen Dinge machen, an die andere nie gedacht hätten, dass sie möglich sind. Da gehören natürlich auch Aktionen zu, die den Körper beanspruchen. Und natürlich hat Gottschalk mehr als nur Recht, wenn er bedauert, dass ausgerechnet in einer Show in der es um Unterhaltung geht, etwas so tragisches passiert wie am Samstag.

Wenn nun also das ZDF über eine Neuausrichtung der Show diskutieren will oder muss, so muss doch auch klar sein, dass sich auf Dauer entweder gar nichts ändert oder man die Show besser direkt sein lässt. An Dummgesülze und Scheinheilig, Inkompetenz und dummen Kommentarjorunailsmus ist übrigens RP-Online mal wieder nicht zu übertreffen:

„Was Wetten dass..? viele Jahre vom Radau der privaten TV-Sender unterschied, war der Anspruch, eine niveauvolle Unterhaltungssendung für die ganze Familie zu sein. Seit Samstagabend ist Wetten dass..?endgültig eine Sendung, bei der Eltern sich gut überlegen müssen, ob sie wirklich ein geeignetes Format für Kinder darstellt. (…) Der Hinweis vonWetten dass..?-Erfinder Frank Elstner, es müsse mehr Wert auf geistiges Geschick als auf gefährliche Artistik gelegt werden, ist noch sehr freundlich formuliert. Am kommenden Sonntag schickt das ZDF Thomas Gottschalk mit dem Jahresrückblick Menschen 2010 auf Sendung. Bis dahin muss klar sein, ob Wetten dass..? eine Zukunft hat. Wird das Konzept jetzt nicht von Grund auf überarbeitet, droht der Sendung das Aus.“ Quelle

Ich kann nicht ganz verstehen, warum – aus Respekt vor dem jungen Mann – jetzt nicht einfach mal alle Ruhe bewahren und das  ZDF intern abwägt ob und welche Konsequenzen es ziehen will/muss. Dieses öffentliche Geblubber (stark geprägt von dem „hinterher weiß man immer alles besser“) ist doch überflüssig. Und all die, die jetzt eben maulen, dass die Wetten bei der Sendung zuletzt eh viel zu gefährlich waren, sollten sich einmal hinterfragen, warum sie trotzdem immer wieder eingeschaltet haben, statt das direkt via  Fernbedienung zu boykottieren.

Aber… und das muss ich mir wohl klar machen … dieses „Geblubber“ ist  vermutlich  menschlich. Man versucht wohl, die Sache zu verarbeiten, seine Emotionen mit anderen zu teilen und dann sind Gespräche über das „wie konnte das passieren“ ganz natürlich. Natürlich will man dann eben auch eine Lösung besprechen. Und was ist da naheliegeneder als „alles verbieten“, „alles anders“, „die müsste man alle aus dem Land vertreiben“ o.ä..  Zielführend ist das alles nicht, aber zum Verarbeiten eines schlimmen Vorfalls vielleicht genau das Richtige. Und das sich da nicht zwingend an die eigene Nase gefasst wird („die Gesellschaft will das halt so“), oder das zumindest (wie im Fall Enke) nicht dauerhaft durchgehalten wird, ist wohl auch natürlich.

Und warum schreibe ich so viel, um am Ende zum Schluss zu kommen, dass das alles menschlich und normal ist [Anm.d.Red.: Vermutlich reagiere ich also in bestimmten Situationen also genauso wenig zielführend und blubberhaft!!!! Oh Gott!]? Und riskiere dabei auch noch eine Tonne Kommafehler und weise damit deutlichst auf meine Komma-In-Kompetenz hin? Vielleicht versuche ich, die Diskussion meta-mässig und ganz besserwisserisch zu begleiten und damit eben doch etwas zu dem Gesabbel beizutragen. Aber eben vom Hochsitz mit dem wedelnden Zeigefinger aus… ob das besser ist. Hach… 42!

Mobilfunkjoch

Irgendwie ist es doch schon eigenartig mit diesen Handys. Da sitzen sich zwei gegenüber, A und B. Sie erzählen über Hü und Hott und plötzlich klingelt bei A das Handy. A genießt natürlich erstmal ausgiebig den – natürlich total grauenhaften – Klingelton und schaut skeptisch auf das Handy. Das ist übrigens ein extrem wichtiges Ritual. Auf das Display schauen und dabei einen Gesichtsausdruck nach dem Motto „Was will deeeer denn jetzt von mir!??!“ machen. Dieser Punkt ist deshalb so wichtig, weil er der vorerst letzte Moment ist, in dem Interaktion zwischen A und B stattfindet. A signalisiert B damit nämlich, dass B gerade natürlich viel wichtiger ist als der Anrufer und A ja eigentlich gar nicht rangehen will.

Dann tritt allerdings die unausgesprochene Regel in Kraft, dass man nun mal ans Telefon gehen muss, wenn es klingelt. B versteht das natürlich, langweilt sich aber in den kommenden Minuten zu Tode. Nach so einer gewissen zeit tritt auch gerne dieses Gefühl bei B auf, dass man sich beobachtet fühlt von anderen die ganz bestimmt denken wie langweilig B sein muss, wenn A mit jemand anderem spricht als sich gerade auf B zu konzentrieren. Um dieses Unwohlsein zu kompensieren und der Welt zu zeigen „Hey, für mich ist das kein Problem, wir machen das immer so“ schaut B auf das eigene Handy… vielleicht könnte B ja auch jemanden anrufen, oder eine SMS schreiben?  Und was macht A? Statt das Telefonat kurz zu halten, wird plötzlich der ganze Tratsch, der sich seit dem letzten Telefonat ereignet hat, durchgenudelt. Irgendwann ist das Telefonat dann vorbei und die beiden beschäftigen sich wieder miteinander.

Verrückt.

Erde 2.0

Das tolle an Computerspielen ist ja, dass sie die Realität nur sehr verkürzt und sehr vereinfacht darstellen. Also ich rede jetzt gerade von den sogenannten „Tycoon“-Spielen. Sowas wie Börsenmanager, Hotelmanager, Gefängnismanager und ähnliche sind gemeint.

Wenn man jetzt aber selber einen Gastrobertieb plant, fällt auf, dass kein praktisches Menu aufpoppt, das einem das Angebot an Gastromöbeln schnell grafisch aufbereitet und direkt mit Preis zeigt. Man muss sich mühsam durch die Weiten des Internets klickern und ist am Ende oft nur frustrierter als vorher. Nach Mama zu rufen bringt da übrigens auch nix.

Man kann auch nicht einfach einmal klicken oder draggen und droppen und eine Küche ist eingerichtet und dabei sind sogar sämtliche lokalen Regularien eingehalten. Und ganz toll: Nutzungsänderungsanträge gibt es nicht. Man klickt auf einen mieten- oder kaufen-Button und man kann loslegen mit dem Einrichten. Danach wechselt man vom Pause-Modus in den normalen Zeitmodus und die ersten Gäste kommen vorbei.

Hach… dieses reale Leben ist ganz schön kompliziert. Kann mich nicht jemand in ein Computerspiel beamen? Oder kann nicht jemand die Welt in ein Computerspiel beamen? Oder kann dieser Herr G. Ott nicht einfach mal endlich Erde 2.0 rausbringen mit praktischen On-Screen-Displays und übersichtlicheren Menus, abgekürzten Wegen und schnelleren Fortbewegungsmitteln? Und vielleicht auch einen anpassbaren Schwierigkeitsgrad insbesondere für die Interaktion mit anderen Spielern und Gegnern?

Mensch, das wäre toll!