#icebucketchallenge

Ich bin ein großer Fan der #icebucketchallenge. Ich freue mich über diese albernen Videoschnipsel von F- bis A-Promis, die sich einen Eimer Wasser über den Kopf schütten, drei weitere Menschen nominieren und dazu aufrufen für die ALS-Forschung zu spenden.

Aber leider war es wohl tatsächlich absehbar, dass sich bald erster Unmut über die Aktion regt. Der gipfelte dann für mich in einem sonderbar verbitterten Kommentar von Roland Tichy dem bald ehemaligen Chefredakteur der Wirtschaftswoche.

Ich kann einfach nicht nachvollziehen, wie eine Aktion die wirklich niemandem schadet, sondern ausschließlich Menschen hilft, irgendwem sauer aufstoßen kann. Vielleicht kann man sich ärgern, dass im eigenen Facebook-Feed jeden Tag zahlreiche solcher Videos erscheinen – vielleicht sollte man sich dann aber auch einfach mal überlegen, ob man diesen ganzen Promis auf Facebook überhaupt „folgen“ möchte oder warum man sich die Videos überhaupt ansieht, wenn sie doch so stören. Oder woher kommt dieser innere Drang, sich die Videos zwingend anzusehen und sich danach über den Inhalt zu ärgern?

Dringend sollte man sich einmal das Video hier ansehen, um zu verstehen, worum es hier geht. Das dauert für ein IceBucket-Video erstaunlich lang, aber das hat einen ernsten und traurigen Hintergrund:

Es ist natürlich richtig, dass es eigentlich heißt Eiswasser ODER Spenden – aber ohne die witzige Nummer mit dem Eiswasser, wäre es vermutlich nicht zu dem gewaltigen Spendenanstieg gekommen – und nochmal: es tut doch niemandem weh. Selbst wenn man jetzt den Promis unterstellt, sie wollen nur Aufmerksamkeit – ja dann bitte, sollen sie die für eine Minute haben, sie unterstützen doch etwas Gutes! In seinem Kommentar mosert Tichy über den Waschbrettbauch von Helene Fischer und behauptet sogar, die Aktion verliere mit jedem weiteren Promi ihren Sinn. Da kann man nur konstatieren: „Herr Tichy, sie haben den Sinn nicht verstanden!“ Gerade diese massenhafte Verbreitung ist doch das Tolle und das, was die Aktion überhaupt zum Erfolg hat werden lassen. Aber Herr Tichy könnte ja vielleicht mal einen Vorschlag machen, wie man solche Aktionen in Zukunft so eindämmt, dass sie seiner Meinung nach Sinn ergeben. Vielleicht könnte er einfach die Menschen auswählen, die an Aktionen teilnehmen dürfen – exklusiv auf seiner Homepage natürlich. Hach wie schön waren die zeiten, wo es nur drei Fernsehsender und kein Internet gab, nicht wahr Herr Tichy?

Bis zum 23. August 2014 konnte die ALS Association im Rahmen der Aktion 62,5 Mio. Dollar Spendengelder sammeln. Das ist gewaltig und es ist ausgelöst worden durch eine alberne, kurze Aktion. Ich wünsche mir häufiger solche lebensfrohe Späße, Was ich mir dagegen gar nicht wünsche, sind diese Miesepeter. Und für genau die hatte Peter Lustig am Ende seiner Sendung eigentlich immer einen ganz schönen Hinweis: „Und jetzt: Abschalten!“ – in diesem Sinne: „Einfach nicht anklicken!“

[Anm.d.Red.: Es ist natürlich bescheuert und doppelzüngig, wenn amerikanische Politiker, die die Forschungsgelder für die ALS-Forschung zusammengestrichen haben, sich jetzt Kübel über ihren Kopf kippen]