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die welt aus der sicht eines dorfmenschen

Tag: email

Realitätsgewinn, Emailverlust

Als Kind konnte und wollte ich es nie hören, wenn meine Eltern mir erzählt haben, wie toll die Schulzeit ist und dass ich sie genießen soll (gefälligst). Damals fand ich die ganze Belastung mit Hausaufgaben, Klausuren und Unterricht totaaaaal schlimm. Was meine Eltern aber natürlich meinten – ich unterstelle ihnen das jetzt einfach mal – war mit „Schulzeit“ nicht die Zeit in der Schule (vielleicht noch die Pausenzeiten), sondern die Zeit drumherum, also die Freizeit und wahrscheinlich auch, das was man an Verantwortung eben nicht trägt. Keine Rechnungen, Formulare usw., was heute täglich irgendwo auf dem Schreibtisch landet und dort bis kurz vor dem biologischen Zerfall vor sich hin rottet, bis es bearbeitet bzw. abgeheftet wird.

Vergessen wir mal den Papierfriedhof, denn ganz entscheidend war doch diese schier endlose Menge an Zeit, die man für sich zur Verfügung hatte. Also zumindest ich, aber ich hab das mit dem Lernen und den Hausaufgaben nun auch nicht sooo sorgfältig gemacht, wie man an meinen Noten leicht ablesen kann. Da ist in meiner Charaktererstellung irgendwie etwas schief gelaufen. Statt Lernfaulheit mit Talent auszugleichen, sind einfach sämtlich verfügbaren Ressourcen auf Lernfaulheit und einen Tick Unsportlichkeit verteilt worden. Letzteres nehme ich besonders übel.

Wo war ich? Zeit! Genau! Das erste mal spürte ich, dass Zeit nicht so endlos zur Verfügung steht, als ich meine Ausbildung zum Werbekaufmann gemacht hatte. Ich hatte eine 38-Stunden-Woche und viele Kumpels haben gerade ihr Studium angefangen, was mir gerade während deren Semesterferien ziemlich drastisch auffiel, weil die eben wieder eine Menge Zeit hatten, verdammt viel abzuhängen. Aber ich lasse mich ja überzeugen und habe auch angefangen zu studieren. Und zack, da war sie wieder, die Zeit. Nur die Verantwortung, die stieg weiterhin stetig.

Wo wollte ich mit dem Eintrag überhaupt hin? Achjaaaaa! Ich habe aufgeräumt! Wenig spektaktulär, ich weiß. Ich habe aber ganz im Besonderen in meinem Email-Account aufgeräumt und 7.000 Emails gelöscht. Auch unspektakulär? Joa, ziemlich. Aber: Ich hatte die Angewohnheit so ziemlich alles zu archivieren – außer Spam und anderer Werbung – was in meinem Email-Account aufschlug. Gerade persönliche Emails, wurden bei mir direkt unter Denkmalschutz gestellt. Das kam daher, dass ich immer dachte, dass ich mich irgendwann bestimmt noch einmal durch all die Mails lesen will, um mich zu erinnern „ach sooo, war das damals.“ Aber heute ist der Tag, an dem ich die Realität schlussendlich akzeptiert habe und mir gesagt habe: „Ingo“, habe ich mir gesagt, „Ingo, du wirst dir die ganzen Mails nicht mehr ansehen, so viel Zeit wirst du nicht mehr haben!“ Und wenn ich mir selber etwas sage, dann glaube ich das normalerweise auch – das ist ja quasi auch der Sinn, wenn man sich selber etwas sagt.

Also wurde der Löschenbutton penetriert und ich habe statt 2 Gigabyte Mails, nur noch etwa 300 Megabyte. Kann ja doch sein, dass ich im Rentenalter – da hat man vielleicht wieder mehr Zeit – mal Lust habe, meine allererste Email zu lesen, also hab ich die doch aufbewahrt.

Ich möchte noch anmerken, dass ich eigentlich gar kein Sammler bin, ganz im Gegenteil. Aber mails haben nun einmal den Vorteil, dass sie sich ganz fantastisch archivieren und sortieren lassen. Da steht nichts über, da ist nicht plötzlich ein Ordner zu dick oder ein Blatt Papier eingerissen, geknickt oder seit neuestem von der Katze bepinkelt. Bei Daten ist alles schön und fein säuberlich in schicke ordner einsortierbar. Da bewahre ich auch gern mal etwas auf!

Wo ich hier so vor mich hinschreibe, kommt mir gerade in den Sinn, dass ich gar nicht bedacht habe, dass ich ja im Lotto richtig dicke gewinnen könnte, dann plötzlich reich bin und viiiiel zu viel Zeit zur Verfügung habe und dann all die Mails lesen will!? Oh mein Gott! Nach Murphys Law müsste das ja eigentlich ganz genau so gehen. Da wäre ich natürlich ziemlich in den Hintern gekniffen. Wobei… ich kauf mir mal einen Lottoschein… und bestelle den Ferrari einfach auch schon einmal vor.

[Anm.d.Red.: Sollte es wirklich so „einfach“ sein, einen Lottogewinn heraufzubeschwören, lass ich es meine treuen Leser hier wissen. Und sollte ich Geldspenden benötigen, um die Raten für meinen frühzeitig eingakuften Sportwagen abzahlen zu können, um die private Insolvenz zu verhindern… genau, das findet ihr auch hier.]

gegen das Establishment

Gibt es eigentlich noch Email-Anbieter, bei denen kein Spamdings mitgeliefert wird? Ich vermute, die dürften doch schon seit einiger Zeit flächendeckend vertreten sein. Dementsprechend muss man eigentlich den Initiator einer Email die heute in meinem Uni-Email-Account-Spam-Ordner(-ich-mag-Bindestriche) gelandet ist für seine „Kühnheit“ bewundern, eine Mail mit folgender Email-Adresse zu versenden.

schluckfreudigeluder@behappymail.org

Die muss doch schnurstracks im Spam-Ordner landen.!Die Mail bettelt doch nur so gerade darum, oder? Aber mal ganz ehrlich, lustig ist die Adresse doch schon oder?

und täglich grüßt der Präsident

Hmm… keine Email bekommen heute. Außer einer von Barack Obama, aber der schreibt mir täglich und will mir dies erzählen und dazu meine Meinung. Wie langweilig, wie gewöhnlich, wie Alltag…

Der Donnervogel

Zu meinem Geburtstag hat sich das Email-Programm meiner Wahl – Thunderbird – etwas ganz tolles ausgedacht! Seit letztem Mittwoch nämlich, ist es mir unmöglich Emails mit dem Donnervogel abzurufen. Dabei vermute ich aber, dass der gefiederte Freund unter gutem Vorsatz handelt. Da er ja weiß, dass ich mit fortschreitendem Alter immer langsamer werde, hat er sich vermutlich gedacht, dass er zum Ausgleich Emails ab sofort mit noch viel höherer Geschwindigkeit abruft. Dabei donnert er dann mit wahnsinniger Geschwindigkeit Richtung Grund, wo die Emails liegen.

Leiiiider überschätzt er sich da wohl ein bisserl und stürzt regelrecht ab! Zwar weiß ich dann, dass ich wohl gerade eine Email bekomme, leider ist der Vogel dann schon mit voller Wucht, mit der Fresse (vorher bekannt als Schnabel) auf bzw. in den Boden gekracht. Das führt dann dazu, dass mein PC versucht Lebensrettungsmaßnahmen zu starten, was wiederum den Prozessor nah an eine Kernschmelze treibt – ist wohl ein großer, dicker Donnervogel. Dann geht also erstmal gar nichts mehr, bis ich aktiv Sterbehilfe mit dem bösen Strg-Alt-Entf-Dreigriff betreiben muss. Der Lebensrettungprozess wird gestoppt und „Lukas“ – der Donnervogel – wird beerdigt.

Gott sei dank, poppt der Donnervogel für sein Leben gern und zeugt schon vor seinem Ableben immer mindestens einen Nachkommen, den ich dann aus dem Ei hole. Der muss erstmal alle Emails wieder zusammen suchen und im Nest sortieren. Wenn ich Pech habe, ist der Vogel noch extrem unerfahren und fällt bei der Suche aus dem Nest und der Prozessor will wieder die Lebensrettungsmaßnahmen durchführen – aber niiiiicht mit mir. Wenn der neue Vogel es jedenfalls schafft, die vorhandenen Emails zu sortieren (er findet teilweise sogar Emails die durch Löscherei schon gar nicht mehr da sein dürften – dafür braucht er aber dann auch Stunden), überlebt er eine unbestimmte Zeit, bis… ja bis wieder eine Email einfliegt. Dann startet auch der Nachkomme den übermotivierten Kamikazeflug nach japanischem Vorbild.

Obwohl ich des Donnervogels Einsatzwillen durchaus würdigen will, geht mir der Kollege zurzeit gewaltig auf den Testikel-Behälter! Leider habe ich im Netz auch noch keine Hilfe finden können. Ich habe mir überlegt ob ich ihm „Greg Pappy Boyington“ und sein „Pazifikgeschwader 214″ auf den Hals hetzen soll. Oder vielleicht kennt jemand eine ansehnliche Alternative zum Flatterheini?

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*wissenschafltiches Update*

Ich habe gerade hier herausgefunden, dass der Donnervogel

  1. flugunfähig ist
  2. ausgestorben ist

Nach meiner aktuellen Erfahrung scheint sich Zweites aus Erstem zu ergeben.

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