Krieg der Formulare

Wenn man an einer Universität arbeitet, hat man immer wieder das Glück mit Ministerien und Behörden in irgendeiner Form kommunizieren zu dürfen. Das ist total super, weil man potentiell häufiger mit den Leuten zu tun, die man im Privatleben schon richtig gut leiden kann, nämlich mies gelaunte Beamte bzw. Angestellte von Bund und Land. Da muss ich sagen, dass das noch nicht einmal so das große Problem ist – man ist vermutlich unter seinesgleichen und ist damit quasi der Privatpatient und der ganze Pöbel da draußen mit seinen Anliegen ist das Kassenmodell. Die Kommunikation ist überwiegend von Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit geprägt. Überwiegend!

So richtig als Volldepp darf man sich dann allerdings fühlen, wenn es darum geht, dass man Formulare ausfüllen soll, die die Kommunikation zwischen den Behörden… ich hätte fast erleichtern/ermöglichen geschrieben… also Formulare ausfüllen soll, die man braucht um woanders z.B. Fördergelder zu beantragen. Dazu gibt es dann (in meinem Fall) den so genannten „Formularschrank“ eines Ministeriums. Nein, das ist nichts physisches, unter diesem putzigen Namen verbirgt sich eine Website von der man Formulare runterladen kann.

Nehmen wir nun an, wir möchten einen Förderantrag für Projekt X stellen. Dazu brauchen wir ein Formular aus dem Formularschrank. Dahin verlinkt wird von der Seite aus, die die Fördermaßnahme beschreibt. Und zwar wird hier ganz genau auf das Formular verlinkt das man brau… ach nee, doch nicht. Es wird auf die alte Website verwiesen, die es eben nicht mehr gibt. Irgendein Schelm hat den Schrank quasi in die andere Ecke des Raumes geschoben und niemandem Bescheid gesagt.

Wenn man nun aber doch die Website gefunden hat, steht man vor bzw. im hässlichsten Schrank, den je ein Formular gesehen hat. Darin versteckt sind zahlreiche lustig benannte Dokumente die Abkürzungen wie AZK oder AZA tragen. Letzteres ist ein Formular zu Beantragung von „Zuwendungen auf Ausgabenbasis“… total logisch, die Abkürzung AZA zu verwenden, erschließt sich sofort. Ach und netterweise hat jedes Ministerium übrigens seine eigenen Formulare. Gut… das kann ich schon noch nachvollziehen, macht es aber nicht übersichtlicher.

Gut, wir haben diese Hürde jedenfalls übersprungen und sind bei unserem Hindernislauf nun bei der Software angekommen. So ein Formular füllt man nämlich mit dem Programm „easy-AZA“ aus. Easy steht hier für „es ist wirklich so total easy, dass du dich beim Ausfüllen für einen uninformierten Volldeppen hältst“. Ich muss aber zugestehen, dass das Formular in gewisser Weise sogar einfach auszufüllen ist, sofern man es auf die reine Eingabe bezieht, also klicken und tippen. Problematisch wird es dann eher, wenn es um die Inhalte geht. Da steht man regelmäßig vor einem Wassergraben, der dem Pazifik gleicht und in dem sich gleich noch eine unfassbar gigantische Haifisch-Population mit „Lasern“ auf dem Kopf breit gemacht hat.

Aaaber, ich will natürlich nicht unerwähnt lassen, dass es durchaus auch Hilfestellung in Form von PDF-Dateien gibt. Dort wird zum Beispiel erklärt, dass es sich im letzten Part des Formulars um datenschutzrechtliche Aspekte dreht und das man dort Haken setzen kann. Ach! Ich weiß jetzt nicht so ganz, wie ich das interpretieren soll, aber ich vermute, ich darf mich so ein bisschen austoben mit den Haken? Oder muss ich die nach einem bestimmten Muster setzen? Oder vielleicht auch beachten, was ich da anhake? Wer weiss… es gibt jedenfalls keine Vorlage-Formulare oder nähere Erläuterungen zu den Punkten, wann welcher Fall eintrifft.

Dann gibt es aber auch noch die Felder, bei denen es um Sachausgaben geht. Welche Arten Sachausgaben können denn nun überhaupt gefördert werden? Das muss doch irgendwo… ach ja, da steht es. Es gibt einen Link zur brandneuen Zuwendungsrichtlinie, ich klicke ihn uuuuund… die Website gibt es nicht mehr. Gnarrrrr!!!!!!!!!

Es ist ja wirklich im Privaten schon schlimm, wenn man vor einem Formular sitzt und nicht weiß, was man nun in Feld 36B eintragen soll. Die Erklärungen sind oft nicht vorhanden oder einfach unbrauchbar, aber oft kann man jemanden anrufen, der einem vielleicht weiterhelfen will und kann. Das ist zwar nicht schön, aber bei weitem nicht so unangenehm, wie wenn man irgendwie das Gefühl untergejubelt bekommt, man müsste sich eigentlich auskennen, weil man in dem Bereich arbeitet. Das wird dann noch zusätzlich untermauert durch die Programmbezeichnung „easy“, die sich anfühlt wie der doofe hänselnde Nachbar aus Kinderzeiten, der vor einem steht und einen auslacht, nachdem einem gerade die kostbare Eiskugel auf den Asphalt geklatscht ist.

Warum kommt eigentlich kein Mensch mal auf die Idee, ausgefüllte Beispiel-Formulare in diesen bescheuerten Aktenschrank zu schieben? Und vielleicht auch eine Erklärung dazusetzen, warum welches Feld wie ausgefüllt wurde. Das kann doch nicht so schwierig bzw. aufwendig sein. Irgendjemand muss es den Helfern am Telefon doch auch mal erklärt haben, vielleicht sogar schriftlich gegeben haben. Stellt doch sowas mal bitte zur Verfügung!!! Bitte, bitte, bitte mit Zucker obendrauf! Ich mag mich nicht mehr doof fühlen!

Behörden am Rhein

Speziell in Düsseldorf eine Gastronomie zu eröffnen erscheint mir im Moment mindestens so schwierig, wie in Amerika eine Gesundheitsreform durchzusetzen. So viele Steine wie hier teilweise im Weg liegen, hab ich selten erlebt. Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen, schließlich ist das hier ja ziemlich leicht zu er-googlen. Deswegen nur ein – aus tiefstem Herzen kommendes – Arrrrghhhhh!!!!!

Ich beiße dann jetzt mal wieder voller Inbrunst in die Tischplatte…