Mehr Bruce als Batman

Ich habe am Donnerstagabend „The Dark Kngiht Rises“ auf deutsch im Kino gesehen. Hmmm… Nun… Was soll ich zu dem Film groß schreiben? Am besten so wenig wie möglich, man sollte sich den Streifen ungespoilert ansehen, ansonsten verliert er sehr viel von seinem Reiz.

Ich kann aber sagen, dass es sich eigentlich nicht um einen Batman-Film handelt, eher um einen Film über Bruce Wayne. Klar ist auch Action mit der Fledermaus dabei, aber relativ wenig. Und wenn, dann steht sein fliegendes Gadget „The Bat“ oft… zu oft im Mittelpunkt. Letzteres finde ich etwas schade.

Überhaupt bin ich mit sehr gemischten Gefühlen aus dem Film gekommen. Batman begins fand ich so lala, The Dark Knight war einfach fantastisch insbesondere wegen des tollen Heath Ledger als Joker. Dem dritten Teil der Serie – wie auch dem ersten Teil – fehlt leider dieser starke Gegenspieler. Klar ist Bane ein ziemlicher Brocken und wird zudem noch vom tollen Tom Hardy gespielt, leider verdeckt aber die Maske im Gesicht so ziemlich alles an schauspielerischer Finesse von Hardy. Blöd ist dazu auch, dass die deutsche Synchro klingt wie ein erkälteter Kermit der Frosch (leicht übertrieben), was dem ganzen irgendwie ein wenig Bedrohlichkeit nimmt. Insbesondere raubt man durch die Synchro Tom Hardy dem quasi einzigen schauspielerischen Mittel, dass ihm dank Maske übrig bleibt, der Stimme. Im Original nuschelt er allerdings wohl oft so stark, dass selbst Muttersprachler Probleme beim Verständnis haben.

Sehr in den Vordergrund rückt Joseph Gordon Lewitt, der den Polizisten John Blake spielt. Der gute Darsteller hat vermutlich einen Vertrag mit Nolan, denn ich glaube, er taucht in jedem seiner Filme auch. Für mich doof, dass ich ihn nicht so gerne sehe. Irgendwie wirkt er für mich immer sehr blass. Dann ist da noch Catwoman die von Anne Hathaway gespielt wird. Sie hat sicherlich mehr Screentime als Batman abbekommen und in meinen Augen damit zu viel. Sie mit Michelle Pfeiffers Catwoman aus dem Burton-Batman zu vergleichen, wäre vermutlich unfair, da war die ganze Ausrichtung ja viel bunter und verrückter. Aber auch ohne Vergleich finde ich sie ähnlich blass wie den gerade erwähnten Blake. Zu Miranda Tate, gespielt von Marion Cotillard möchte ich aus Spoilergründen nicht viel sagen, nur: Och pffffffff. Die restlichen Charaktere sind schon bekannt – ach da ist noch kurz Scarecrow aus Teil eins zu sehen… fast überflüssig.

Was mal wieder unschlagbar ist, ist die Musik. Wummernde Bässe, röhrende Geräuschkulisse, alles wie bei Batman und Nolan-Filmen gewohnt. Das erzeugt sehr viel Stimmung und presst einen förmlich in den Kinosessel, super!

Die Geschichte die erzählt wird ist komplex. Manchmal während der 2,5 Stunden fragt man sich, was das nun wieder soll, aber am Ende werden sämtliche Story-Fäden die in den ersten beiden Teilen begonnen wurden, zuende geführt. Das ist löblich, da dürfen sich die Autoren der eigentlich grandiosen „Mass Effect“-Reihe ein Scheibchen abschneiden. Nur geht damit halt eben sehr viel Dialog und wenig Keilerei und vor allem batmantypische Detektiv-Arbeit einher. Mir hat das zu sehr gefehlt.

Unterhaltsam ist der Film, aber nicht umwerfend. Batman Begins würde ich etwa 70 Punkte geben, dem Dark Knight 99 und diesem Teil so etwa 75. Rottentomatoes sieht das mit 86% in der Kritiker- und 93% in der Publikumswertung ganz anders.

wieso Batman? Mehrwert?

Ich sehe natürlich ein, dass man über eine Schießerei bei einem Kinofilm berichtet. Aber warum ist es relevant, dass es beim neuen Batman-Film passierte? Ich will das hier gar nicht kritisieren, aber ich verstehe es nicht. Eine derart prominente Verknüpfung zwischen solch einem schlimmen Ereignis und einem so trivialen Event ist mir bisher noch nie aufgefallen. Und es handelte sich hier ja auch nicht um die Premiere, an der die Stars des Films teilgenommen haben, dann hätte die Batman-Info ja noch einen Berühmtheitsfaktor, weil vielleicht Schauspieler unter den Opfern waren. Aber die Prominenz, die dieser Info beigemessen wird, halte ich für fragwürdig.

tagesschau.de

Spiegel Online

sueddeutsche.de

faz.net

zeit online

Schund

; Ich finde, die Medien suggerieren mit dieser Art der Aufmachung, dass es für die Schießerei irgendwie relevant sei, dass sie sich bei der Premiere des Batman-Films ereignet hat. Aber diesen Zusammenhang finde ich – zumindest ohne eine Erklärung der Täter dazu – doch irgendwie erstmal weit hergeholt. Sind die Redakteure vielleicht selber so hyped über den Film, dass sie jegliches Ereignis, dass sich mit dem Film verbinden lässt, damit verknüpfen, so wie „Ausgerechnet bei…“? Oder ist es eine ganz perfide Strategie mehr Klicks zu generieren, weil die Redakteure die Menschen für so abgestumpft halten, dass sie bei einer Meldung ohne „Batman“, hier nicht geklickt hätten? Das will ich ihnen jetzt dann aber auch nicht unterstellen… Nichtsdestotrotz: Wo ist der Mehrwert, für den Leser, wenn er weiß dass es bei genau diesem Film passiert ist?

Update: Ich hab es gerade in der Tagesschau gesehen, die aufgeregte Dame vor Ort erklärte gerade, dass es auch in einem Batmancomputerspiel eine Schießerei in einem Kino gibt… Jetzt ist natürlich alles klar…