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die welt aus der sicht eines dorfmenschen
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Komm ich jetz’ in Fernseeeeh’n?

ingo | 4. April 2009

Man mag ja von Live Adeventrue Role Plays halten was man will (das sind die Dinger wo sich Menschen als Ritter, Zauberer und Okrs verkleiden und mit Gummischwertern in Wäldern rumlaufen um so zu tun als ob) und auch von den Leuten, die an diesen Events teilnehmen, aber besonders gewalthaltig sind diese Veranstaltungen betimmt nicht. Als ich jünger war, hab ich mir das eigentlich ganz spannend vorgestellt, als Ritter verkleidet durch den Wald zu laufen und gegen andere Ritter kämpfen… nun gut. Darüber bin ich hinweg, aber das liegt vermutlich daran, dass mir TV und Computer meine Fantasie geraubt haben.Wir haben früher auch auf dem Schulhof “Fechten” gespielt. Die Unterarme und Faust waren die “Waffe” und wer “erstochen” wurde, durfte sich eine bestimmte Zeit lang nicht bewegen. Muss sehr sehr albern ausgesehen haben. Irgendwann haben wir dann zu Fußball gewechselt… mit Ball übrigens, ohne Faust.

Frau Elisabeth Hoppe vom Jugendamt in Dortmund nimmt jetzt den Amoklauf von Winnenden zum Anlass das LARP in Dortmund zu verbieten. Man müsse “den Schwertkampf nochmal unter die Lupe nehmen”. Stimmt natürlich, ich hab schon lange Angst, dass bald ein Jugendlicher mit einem Gummischwert Amok läuft… oder mit einem “Lightning Bolt”:

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Jedenfalls wird Frau Hoppe beim nächsten Karneval vermutlich auch Cowboy-Kostüme verbieten… zumindest für Kinder. Die könnten dann ja in Ihrer Rolle aufgehen und mit anderen Cowboy und Indianer spielen. Und da gibt es Schusswaffen die Peng machen!

Stefan Niggemeier überschreibt Beiträge in seinem Blog, wenn Journalisten ganz ganz ganz verrückte und dumme Fehler machen, gerne mit “Geht sterben”. Soweit will ich jetzt nicht gehen, aber das hier drückt meine Verständnislosigkeit am besten aus: Kopf -> Tisch // Kopf -> Tisch // Kopf -> Tisch

Ich hoffe für das Jugendamt Dortmund und vor allem die Jugendlichen dort, dass das Handeln von Frau Hoppe nicht generell von blindem Aktionismus und Mediengeilheit geprägt ist.

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Hoher Blutdruck…

ingo | 14. März 2009

Der journalistische (Rück)entwicklung von Spiegel Online zu BILD-Standards ist meiner Meinung nach unübersehbar. Immer mehr Boulevard immer reisserische Überschriften mit “Blutbädern” u.ä.. Heute dann diese: “Amokläufer verbrachte Abend vor der Tat mit Killerspiel”. Schockierend. Überraschend. Reiz->Reaktion. Ursache->Wirkung. “Ach Mensch”, werden sich die Mitarbeiter anderer Ressorts denken, “warum sind nicht alle Probleme der Welt so einfach lösbar, wie der Amoklauf eines Jugendlichen?”.

Ich vermute dem Bund der Tischtennisspieler ist ein gigantischer Zelluloidball von der Holzplatte gefallen, dass die Überschrift nicht lautete “Amokläufer verbrachte Abend vor der Tat mit Tischtennis”.

Auch wenn es der Begriff vermuten lässt, Killerspiele töten keine Menschen. Waffen töten Menschen. Wobei mir zu letzterem eine typische “Gun Nut” – nach einer kurzen Waffenkunde – widerspricht:

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American Dad, Amok, Jugend, Killerspiele, Spiegel Online, Tischtennis
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Und täglich grüßt das Murmeltier

ingo | 13. März 2009

Irgendwie verblödet man anscheinend ab einem gewissen Alter oder durch die Ausübung bestimmter Berufe [Anm.d.Red.: Ich hoffe auf letzteres, sonst ereilt es mich ja dann bald wohl auch]. Es ist nämlich ganz einfach unglaublich dumm, dass man zum wiederholten Male nur über Jugendliche und über Jugendkultur spricht. Mit den Jugendlichen spricht auch in diesem Fall mal wieder niemand. Zumindest nicht in den meinungsmachenden “meinungsbildungs-unterstützenden” Medien. Lernkurve!?

Es wird nach dem Motiv und den Ursachen gefragt, aber eigentlich will man wahren Antworten nicht wissen. Die sind vermutlich auch nicht in 45 oder 90 Minuten zu erörtern und wenn, dann sind sie nicht zu fassen, weil viel zu komplex als das man sie mit einem simplen Verbot ad acta legen könnte. Einfachere Antworten liegen viel näher und sind öffentlichkeitswirksam zu erläutern. Denn der Deutsche liebt das gute, alte Verbot. Und in diesem Fall soll es (mal wieder) die bizarre Welt der neuen Medien treffen, die so viele Gefahren birgt und die kaum jemand durchschaut, nicht durchschauen will.  Es ist insbesondere im Superwahljahr an der Zeit, sich zu profilieren auf Kosten derer, die nicht erhört werden über die man deswegen auch so toll sprechen kann. Hallo liebe Politiker, hallo liebe Medien.

Was die sog. Amokläufer (soweit ich mich informiert habe) gemein hatten war, dass sich sich gemobbt fühlten, vielleicht auch “nur” falsch verstanden, wie auch immer man es im konkreten Fall nennen mag. Und was passiert gerade in den Medien? Die Jugendkultur – und ob man das hören mag oder nicht: da gehören Computerspiele nun mal zu – und damit auch die Jugendlichen werden gemobbt. Das verhärtet die Fronten und dass daraus eben keine Zuneigung entspringt, keine Annäherung die das dringend notwendige Verständnis erzeugen kann, ist offensichtlich und wird auf Mikroebene durch eben die Amokläufe auf grausamste Art verdeutlicht.

Jugendliche fühlen sich bei Debatten wie der aktuellen hilflos und in die Ecke gedrängt. Aus Reflex entstehen daraus häufig aggressive Wortmeldungen in Blogs, Foren, Twitter-Feeds, Youtube-Videos und Chats, die vermutlich Frontal21 bald wieder zitieren wird, um auf die Verrohung hinzuweisen, die Computerspiele und die Untiefen des Internets heraufbeschwören.

—

Ach und mal ganz “nebenbei”:

Das man bei bild.de ein Protokoll findet, wann der Täter die Schule betreten hat, wann er sich in der Nase gebohrt hat und wann er wo, wie oft und wohin geschossen hat ist tragisch aber leider normal. Dass es nun auch bei Spiegel Online ein solches Protokoll gab ist noch viel trauriger. Muss man wirklich ganz genau wissen, wann der Täter was und wie gemacht hat? Reicht nicht das grausige “Ergebnis”? Muss man bei solch schrecklichen Fällen auf das trendige Twitter zurückgreifen, um dort als erster jeden Fliegenschiss zu einer Tat zu publizieren? Ist das notwendig? Ist das die Entwicklung der sog. Qualitätsmedien? sind das die gleichen Medien, die sich über die mangelnde Seriösität und Quellenrecherche der Blogger brüskieren? Mögen mich bitte ein paar Marsianer abholen?

—

Und noch was: Kann mir bitte jemand erklären, warum der Herr “Egal Wer” eine Schusswaffe zuhause haben sollte? Oder Munition? “Historisch wertvolle” Waffen gehören in ein Museum, oder/und man  gießt zwingend den Lauf mit Blei zu. Und wofür braucht man überhaupt einen Sport, der mit “Gerätschaften” durchgeführt wird, die bei “falscher Benutzung” Leben kosten können?

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