ab ans europäische Buffet

Na? Wer von euch hat schon gewählt? Nein, nicht den Bundespräsidenten, das macht doch die Bundesversammlung, damit haben wir nichts zu tun. Es sei denn zu meinen Lesern gehören Promis oder Politiker, die in eben dieser Versammlung sitzen. Das schließe ich aber mal aus. Schade.

Mir geht es um die Europawahl am 7. Juni. Ich habe meine(Brief-)Wahlunterlagen bereits versendebereit und werde mein grünes Kreuz morgen abschicken. – Huch! Jetzt hab ich verraten, wen ich gewählt hab. Wir Deutschen nehmen es mit dem Wahlgeheimnis ja übertrieben genau. Wie konnte mir das nur rausrutschen…

Wer sich aber noch nicht entschieden hat, dem kann ich vielleicht ein Kreuz bei der CSU empfehlen. Die tritt nämlich zum ersten Mal getrennt von der CDU an. Ich könnte jetzt versuchen zu erklären, warum das so ist und warum CDU und CSU bei der Bundestagswahl gemeinsam antreten, welche Vor- und Nachteile sich daraus ergeben, aber… nagut, ich hab es mittlerweile auch vergessen. Die Politikseminare sind ja auch schon ein paar Jährchen her, aber ich wüsste, wo ich es nachschlagen kann. Nein, nicht Wikipedia oder Wolfram Alpha.

Zurück zur Empfehlung. CSU! Bernd Posselt! Nicht wegen inhaltlicher Dinge, sondern wegen seiner Wahlplakate. Insbesondere dem in diesem Beitrag hier links. Was für knackige Slogans sind das denn bitte!? „Münchens Stimme an Brüssels Buffet.“ und „für ein schlankes Europa“! Toll, da weiß sich jemand auf die Schaufel zu nehmen. Hätte ich das mal früher gewusst, Herr Posselt hätte meine Stimme sicher!

Okay, okay. Die ganze Sache ist natürlich ein Scherz. Eine analoge/offline/Reallife Hacker-Gruppe hat die Plakate von Posselt in München überklebt. Aber das doch mal richtig originell! Posselt hat sogar recht humorvoll reagiert:

Die Pfunde, mit denen ich wuchere, habe ich mir ehrlich in bayerischen Wirtshäusern und Münchner Biergärten erarbeitet

Toll, gut gekontert. Wer jetzt aber wirklich noch ein bisschen mehr über Posselts europäische Ideen wissen will, kann das hier nachlesen. Übrigens hat Münchens CSU-Chef Otmar Bernhand weniger souverän reagiert:

Die politische Auseinandersetzung sollte man nicht mit der Gürtelweite und schon gar nicht unter der Gürtellinie, sondern mit dem Kopf und dem Gewicht politischer Argumente führen.

Ahja, gerade gewichtige politische Argumente hat die CSU ja zu Hauf anzubieten…

Ach und noch etwas. Lasst euch von Posselts Antlitz auf dem Plakat nicht „blenden“. „In Wirklichkeit“ sieht Bernd Posselt so aus – oder so… oder so… oder auch so… oder abschließend so! Gunnar Lott bzw. der Kaliban äussert sich über Posselts Aussehen auf dem Plakat in seinem Beitrag „The Abgeordneter from Hell“ übrigens so:

Und wenn man nichts als dieses Bild hat, das weniger einen Mann zeigt als vielmehr einen menschlichen Schwamm, einem Wiedergänger der Wildecker Herzbuben, einen bavarischen Amöboid, dann fällt es schwer an die Entschlossenheit, die Tatkraft, die Disziplin, den funkelnden Intellekt dieses Menschen zu glauben. Dann fallen einem frei assoziiert eher Wörter wie Wirtshaus, Kalbshaxe und Vetternwirtschaft ein.

Hat nichts mit Politik zu tun, ist polemisch, böse, unverschämt und so bestimmt nicht die feine englische Art. Aber witzig find ich das trotzdem – bavarischen Amöboid.

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