Gestern habe ich nach der Übertragung des DFB-Pokals diese Talksendung mit Herrn Bommes (ich glaube, das Ding heißt Sportschau Club) gesehen. Dort waren drei Kommentatoren zu Gast: Bela Rethy, Tom Bartels und Marcel Reif. Nun möchte ich gleich sagen, dass ich mit allen dreien nicht so viel anfangen kann. Am wenigsten sicherlich mit Herrn Rethy, der einfach überwiegend Mist erzählt und (meiner Meinung nach) jegliches Verständnis für modernen Fußball vermissen lässt – so ein bisschen wie ein Relikt aus Rehhagel-Zeiten.  Tom Bartels… nun, kann ich mir geben, aber ich mag seine Stimme nicht so gern. Im Gegensatz zu meiner Einschätzung von Herrn Rethy ist das natürlich sehr subjektiv, wobei meine Meinung zum anderen… sicherlich… allgemein so verbrieft ist… hust (ich brauch das für mein Weltbild, bitte nicht widersprechen).

Nun aber Marcel Reif. Also generell ist der kein guter Kommentator – aus meiner Sicht. Er bewegt sich mit seinen Kommentaren nur auf zwei Ebenen. Entweder ein Team spielt den besten Fußball den er je gesehen hat oder eben genau das Gegenteil. Ein Beispiel?  Beim Derby Dortmund gegen Schalke grätschte Mikhytarian einen Ball ins Tor, das war sein erstes Tor in der Liga und entsprechend wurde auf und neben dem Platz jubiliert. Herr Reif stimmte mit ein und brüllte „Weltklasse, wie er da zum richtigen Zeitpunkt das Bein lang macht“. Ähm… ja!?!?!? Ich freue mich wirklich, wenn ein Kommentator mitgeht, aber das!? Ehrlich?

Nun ist Marcel Reif wohl bei seinen letzten beiden Kommentator-Jobs extrem von Fans angegangen worden, fast gewalttätig, was von unfassbarer Dummheit auf Seiten der „Fans“ zeugt. Das ist nicht einmal im Ansatz nachvollziehbar – das ist es schon beim Umgang mit Spielern nicht (so viel zur Nachhaltigkeit all der Schwüre, die Rund um den Selbstmord von Robert Enke getätigt wurden), aber noch eine große Spur weniger beim Kommentator. Und genau das wurde dann gestern in dem Talk angesprochen. Leider unzureichend.

Es ist (aus meiner Sicht) so, dass Sportjournalismus bzw. Fußballtalks die sich mit Metathemen oder fußballverwandten Themen befassen unterirdisch schlecht sind. Normalerweise wird irgendwie dahingeschwurbelt und Allgemeinplätze werden ausgetauscht, so auch gestern. Wenn das bei Sport1 passiert… ist das schade… aber dieser Sender taugt *leider* nicht zu mehr. Aber bei der ARD hätte ich mir mehr Tiefgang erwartet. Das kann und soll dann die Ausfälle der Vollidioten nicht im Ansatz entschuldigen, aber Hintergründe beleuchten hilft.  Man könnte mal diskutieren, welche gesellschaftlichen Entwicklungen zu mehr gewalt in Stadien führen (können), was man dagegen tun könnte. Dann wird es zwar auch politisch, aber wir wollen uns doch nicht von alten Säcken (FIFA, IOC) ernsthaft einreden lassen, dass Sport ein von Politik und Gesellschaft vollkommen losgelöstes Gebilde ist, oder?

Leider beschränkte sich die Sendung aber darauf, die Stimmungslage der Kommentatoren zu beleuchten. Das ist auch richtig, reicht aber eben nicht, um die Dimension verstehbar zu machen bzw. taugt nur um sich mal 10 Minuten über Idioten aufzuregen. Stattdessen wurde noch ein Zitat von Klopp gezeigt, in dem er Reif attestiert sowieso nicht mehr zu lachen. Hintergrund hier war, dass Reif in seinem Spiel-Kommentar zu der Batman und Robin-Aktion von Reus und Aubameyang sagte, dass er zu alt für solche Aktionen ist. Reif fühlte sich von Klopp durch diesen Kommentar nun angegangen und warf ihm vor, Öl ins Feuer zu giessen. Auch hier fand eine differenzierte Bewertung nicht statt. Reif findet Klopp halt unverschämt… okay.

Journalismus über Fußball beschränkt sich einfach zu häufig auf Heldenverehrung (siehe RTL Europameisterschaft Berichterstattung) und Oberflächlichkeiten. Dabei gäbe es sicherlich viele tolle Themen rund um den Sport, die man – auch unterhaltend – beleuchten könnte. Graustufen wären in der gesamten Berichterstattung sehr oft spannender und täten ihr gut. Gerne wird dann behauptet, dass der gemeine Fan das nicht will und ihm zu hoch ist – was ich für eine unbegründete und unverschämte Einstellung halte. Lustigerweise passiert dadurch das, was jetzt Herr Brückner bei Tele5 erleben muss. Er macht dort nun auch einen Fußballtalk, irgendwo im Abendprogramm versteckt. Den kann man sich neben den 20 Talks bei Sky und bei SPORT1 auch noch ansehen, aber der Erkenntnisgewinn ist gleich Null, weil dort das gleiche Geleier stattfindet wie in all den anderen Talks. Nichts ist da anders – vielleicht gerade weil man den Fußballinteressierten intelektuell zu wenig zutraut?

Aber auch die Berichterstattung zum Spiel selber ist mangelhaft: Schön wäre es, wenn man Spielanalysen mal etwas vertiefen könnte. Alles was da gezeigt wird, beschränkt sich auf „hier kommt er zu spät“ und „hier steht er zu weit weg“. Zuletzt habe ich das im Aktuellen Sportstudio durchmachen dürfen. Die Jungs von spielverlagerung.de haben oft schon wenige Stunden nach einem Spiel eine tolle Analyse geschrieben, die überhaupt nicht zu kompliziert für irgendwen ist, aber die Zusammenhänge im Spiel fantastisch illustriert. Warum passiert sowas nicht bei Sky usw.?

Alles rund um das Spiel selber halte ich mittlerweile für nicht mehr sehenswert oder lesenswert. Das finde ich schade, denn ich würde mir mehr Hintergründiges wünschen. Nur die 11Freunde schaffen das immer mal wieder.