Better Again – can a song save your life

Ich habe gestern den ersten, wirklich unterhaltsamen Tatort überhaupt gesehen – danke an Ulmen und Tschirner. Und wo feiert man sowas? Genau, bei Facebook! Carsten aber schrob – statt mitzufeiern – er habe gerade „can a song save your life“ gesehen und garnierte es mit „absoulte Guckempfehlung“.

Nun, da blieb mir nichts anderes übrig, als „Better Again“ tatsächlich anzusehen. Ist ja auch mal spannend, von einem Kumpel einen Guckbefehl zu bekommen und zu testen, wie mir der Film gefällt und danach dann hier darüber zu schreiben. Es besteht natürlich nun die Gefahr, dass meine Meinung nicht zu Carstens passt und er dann nie wieder meinen „Kritiken“ traut oooder noch viel schlimmer: meinen Blog nicht mehr liest. Ja, liebe Sozial- und Medienwissenschaftler, das ist der gelebte Uses & Gratification-Approach. Mal sehen, ob wir hier bald auch noch das Gefangenen-Dilemma unter bekommen.

Aber nun zum Film. Mark Ruffalo spielt einen Musikproduzenten, Keira Knightley eine Sängerin. So viel zu den beiden Hauptfiguren im Film. Beide sind auf ihre Weise gescheitert. Er ist einfach nicht mehr erfolgreich genug als Produzent, ihr geht die Beziehung zu ihrem Freund Dave flöten (Adam Levine, Maroon Irgendwas), weil der lieber den Starruhm genießt, statt ehrliche, authentische Musik zu machen.. naja, und Groupies und so.

Beide treffen sehr früh im Film aufeinander und entscheiden sich nach ein bisschen hin und her gemeinsam ein Album aufzunehmen, ganz ohne Hilfe von einem Plattenlabel usw. überall auf den Straßen New Yorks wird aufgenommen und am Ende soll es auf eine CD gebrannt werden, oder itunes… usw. Im Prinzip handelt der Streifen aber davon, wie die beiden wieder zu glücklichen Menschen werden, die durch das pure Ausleben ihrer Passion wieder Lebensmut finden. Mein Eindruck…

Für mich fühlte sich der Better Again sehr wie Californication an, gegossen in ein Spielfilmformat. Aber leider – lieber Carsten – war das nicht ganz meins. Das lag ein mehreren Dingen. Mir fehlte zunächst einmal – und oh mein Gott, dass ich das jemals schreiben würde – David Duchovny. Mir fehlte seine bildhübsche Immer-wieder-Frau / Exfreundin usw. und die anderen verrückten Charaktere aus der Serie. Es gab auch keine nackten Popöchen, die durchs Bild hopsten und insgesamt war der ganze Film von der Stimmung her dunkler, weniger fröhlich, weniger leicht und beschwingt. Er war aber auch nicht tiefer oder fokussierter. Die Charaktere wirkten platter, eher wie Abziehbilder der Serie.

Ich mag Mark Ruffalo generell, aber in dieser aufgedrehten, schnoddrigen Rolle funktionierte er für mich gar nicht. Keria Knightley… naja gut, kann man machen, sie hat eine tolle Mimik und kommt recht bezaubernd rüber. Was für mich bei den beiden aber nicht stimmte, war die Chemie. Die zwei kamen sich natürlich im Laufe des Films etwas näher und es sollte wohl auch ab und zu so ein bisschen knistern, aber für mich funktionierte das einfach nicht. Es fühlte sich falsch an.

Zur Musik: Adam Levine… ich frage mich, ob er sich vor jedem Song seine Genitalien mit einer Kneifzange abdrückt. Nee sorry, da höre ich lieber die Bee Gees. Schauspielerisch war das aber ganz solide. Nur wollte ich mir immer die Ohren zuhalten, wenn sein Gesang eingespielt wurde. Auch generell war mir die Musik zu langweilig, sprach mich nicht an. Ich liebe Gitarren-Musik wirklich und ich mag auch mal etwas melancholisches hören, aber die Lieder hier fand ich ereignislos und viel zu clean – insbesondere zu clean für eine Straßenproduktion.

Der Plot war im großen und ganzen okay, wenn auch relativ vorhersehbar. Die Unstimmigkeiten zwischen Vater und Tochter bzw. die kaputte Ehe – das ganze Familiending war sehr nebenbei erzählt und ließ mich total kalt. Der Film machte sich kaum Mühe die Frau und die Tochter überhaupt einzuführen, ihnen einen Charakter zu geben. Das war absolut überflüssig. Ich hätte mir viel mehr Fokussierung auf die einzelnen Schritte der Bandfindung bzw. der ganzen Beziehung zwischen Ruffalo und Knightley gewünscht. Stattdessen wurde ich erstmal mit einer 90 minütigen (gefühlt) Rückblende der Beziehung von Knightley und Levine „Beglückt“ (ich hasse Rückblenden) und dann dann kamen zahlreiche Montages (Bsp: Rocky  trainiert in mehreren aneinander geschnitten Szenen zu einem  Musikstück), wie die Band spielt, wie die Hauptdarsteller gemeinsam ihre Guilty-Pleasure-Songs hörten.

Das alles, selbst die Guilty-Pleasure-Songs waren mir viel zu vorhersehbar – der Film hat sich in meinen Augen nichts getraut, er war an keiner Stelle mutig. Ich schrubbte das oben schon – er hat zu sehr versucht Californication ins Kino zu bringen. Aber ohne den Mut einfach total Abgedrehtes zu machen. Ein Beispiel dazu noch: Knightley und Ruffalo hören sich ihre Guilty-Pleasure Songs an. Das waren Sinatra, Stevie Wonder sowas halt… aber das ist doch nicht Guilty Pleasure! Guilty Pleasure wäre für mich.. ach was weiß ich… Saturday Night oder Rythm is a Dancer gewesen. Etwas überraschendes, vielleicht dazu dann Sinatra, aber nicht Wonder und Sinatra.  BEi den Charakteren passten diese Songs aber wiederum genau – viel zu genau, das nahm ihnen jedoch das Unvorhersehbare, das Frische. Sie wirkten wie ausgestanzt, und konnten nicht ausbrechen.

Genau dieses Ausbrechen hat Californication für mich ausgemacht. Da herrschte Chaos und Anarchie und dann wieder ein wenig Ruhe, aber nur, um das nächste Chaos vorzubereiten. Ich sehe, was Better Again vorhat, ich möchte den Film mögen, aber er funktionierte für mich einfach nicht. Sämtliche Rezensenten und allen voran Mark Kermode sind da anderer Meinung als ich und schlussendlich Carsten auch. Ich gebe Better Again 60 Punkte, mit der Einschränkung, dass insbesondere, wem die Musik gefällt, aus diesem Film auch mehr ziehen kann als ich. Tut mir leid, Carsten…

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