Makler ohne Konzept

Nun, da es doch nicht zum „großen“ Streik der Makler am 07.11. kommen wird, kann ich die ganze Idee dahinter ja doch „putzig“ nennen, ohne dass ich von einem Makler-Lynchmob durch die Stadt getrieben werde… oder durch verlassene Wohnsiedlungen.

Mal vorab, es gibt sicherlich gute Gründe für die Existenz des Berufsstandes Makler. Es mag sein, dass diese durch das Aufkommen von Immobilienportalen im Netz ein wenig blasser werden, aber gut… das Fernsehen hat das Radio auch nicht ganz verschwinden lassen. Aber trotzdem: Warum sollten nicht die Auftraggeber den Makler zahlen, sondern eine dritte Partei?!

Ich habe mir einmal angesehen, warum die Makler streiken wollen. Und der Grund ist – und das kommt bei der Politik natürlich immer „gut“ an, weil man es so schön moralisieren kann: Es gehen Arbeitsplätze verloren – viele! Das mag vielleicht sogar tatsächlich sein, aber vielleicht sollte man die Gesetzänderung als Anreiz nehmen, die Arbeitsweise der Makler zu anayliseren und zu schauen, wo tatsächlich mehrwertige „Funktionen“ liegen. Das hat man aber anscheinend nicht getan, wenn man sich den Brief von Norbert Ziegler dem Vorstand des Maklerverbandes bvfi durchliest, den er den Unionsabgeordneten geschickt hat.

Darin heißt es zum Beispiel, zur Erklärung, warum Makler wichtig sind, dass sie eine Mediatorfunktion zwischen den Interessen des Mieters und der Vermieter einnehmen, und das insb. den Mietern dadurch schon gorße Ersparnisse gelungen sind. Das halte ich doch für eine sehr kühne Behauptung, muss ich gestehen. Mir ist zumindest noch kein Makler unter gekommen, der sich mediativ verhalten hätte. Aber vielleicht passiert das auch eher im extrem hochpreisigen Segment?Und selbst wenn: Warum soll der Mieter zahlen, der will vielleicht gar keinen Mediator!?

Herr Ziegler schreibt konkret – ich komme nochmal auf die Arbeitsplätze zu sprechen – von 9.580 Maklern, die bald nach neuen Jobs suchen müssen. Ich verstehe das nicht. Wenn der Job doch so wichtig ist, und ihn nun einfach die auftraggebende Partei zahlt, sollten doch keine Makler auf der Straße landen. Oooder ist es etwa doch so, dass Makler in ganz vielen Fällen einfach überflüssig sind? Es ist natürlich für die Vermieter bequem, weil sie sich dann nicht einmal um die Immobilienportale kümmern müssen, aber welchen sonstigen Merhwert haben Makler, insbesondere bei der Vermietung? Und wie oft hört man, dass insb. junge Menschen in keinem Fall eine Wohnung mit Maklercourtage mieten wollen. Welche zusätzlichen Wege benutzen Makler denn, neben den Portalen? Vielleicht hätte der Verband das mal klarer stellen sollen. Wobei: Auch hier geht es dann ja verstärkt um Vermieterinteressen und warum sollte der Mieter die bezahlen?

Wenn ich als Mieter eine vierstellige Courtage zahlen muss, dafür, dass ein Makler eine Wohnung (oft schlecht) ins Netz gestellt hat, mich max. 15 Minuten durch die Wohnung führt und eigentlich keine Fragen zum Objekt beantworten kann, dann muss man sich nicht wundern, wenn irgendwann mal jemand dieses System in Frage stellt. Selber Schuld!

Ich stelle mal die gewagte These auf, dass viele Menschen, die Makler beauftragen, dass aus Faulheit [Die Edit war hier: Bulldo hat in einem Kommentar zurecht angemerkt, dass es hier „Bequemlichkeit“ statt „Faulheit“ heißen muss.]  oder Unwissenheit bzgl. der Immobilien-Portal-Angebote des Internets tun. Ich habe es oft genug beobachtet, wie unfassbar lausig Makler Wohnungen im Internet bewerben. Da werden Bilder vom Makler selber (!!!) gepostet, irgendwelche Platzhalterbilder von glücklichen Familien gezeigt, irgendwelche Rahmen des Maklerbüros weden um die oft unterirdischen Wohnungsbilder gesetzt oder es ist nicht einmal ein Grundriss verohanden. Da muss sich wirklich kein Makler wundern, dass sein Berufsstand in Verruf gerät.

Ziegler schafft es aber in seinem Schreiben nicht klarzustellen, warum das Bestellerprinzip ein Problem werden soll. An keiner Stelle kann er es erklären, denn eigentlich müsste das Geld doch weiter fließen, nur soll jetzt der Verursacher soll zahlen. Nur vielleicht merkt der halt, dass das irgendwie Unfug ist…

Und um mal wieder zu „putzig“ zurück zu kommen: Da schreibt der Verfasser doch tatsächlich, dass die Wohnungsvermittlung einer Neuregelung bedarf, schreibt aber mit keiner Silbe, wie diese aussehen könnte. Das ist alles gnadenlos schwach. Hier fehlt es anscheinend ganz brutal an Konzepten.

4 Comments

  1. Hahahaha

    > Darin heißt es zum Beispiel, zur Erklärung, warum Makler wichtig sind, dass sie eine Mediatorfunktion zwischen den Interessen des Mieters und der Vermieter einnehmen, und das insb. den Mietern dadurch schon gorße Ersparnisse gelungen sind

    Klar, vor allem, wenn die Makler durch die Begrenzung der Provisionshöhe (2 Monatskaltmieten plus MWSt) auch eigentlich ganz gut inzentiviert sind, eine möglichst hohe Monatsmiete durchzubringen… da frag ich mich, wann ich zuletzt den Mediator-Makler gesehen habe… vielleicht in irgendeinem Marvel oder DC Comic… „Der Mediatorrrrr!“ … im eigentlichen Leben ein Makler, sonst Mediator Superheld.

    Auch klar fragwürdig ist, dass nicht gilt: wer beauftragt (und damit auch die Wahl zwischen Anbietern hat), muss zahlen. Also, wenn ich als Mieter einen Makler will, dann muss ich zahlen — ich kann ja auch den mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis auswählen. Lustig aber, dass Mieter zahlt und Vermieter auswählt. Klar, dann wärs mir auch Wumpe, ob der Makler a) nix macht (außer zu meinen Preisvorstellungen die Bude unter Miete zu bekommen, was nun nicht gerade schwer ist in diesen Zeiten) und b) so viel nimmt, wie es laut Gesetz geht und nicht so viel, wie die Leistung Wert ist.

    Also dem Kollegen müsste man einen öffentlichen Brief zurückschreiben, in dem man mal ein Argument nach dem anderen schön auseinanderpflückt…

    Übrigens aber:
    > Ich stelle mal die gewagte These auf, dass viele Menschen, die Makler beauftragen, dass aus Faulheit oder Unwissenheit bzgl. der Immobilien-Portal-Angebote des Internets tun.

    Das glaube ich wiederum nicht. Sie tun es der Bequemlichkeit halber (das ist nicht das Gleiche wie Faulheit), weil es sie nichts kostet und eine Neuvermietung schon einen erheblichen Aufwand bedeutet. Kern meines Arguments ist, das ist in Ordnung, nur ist das eine Leistung für den Vermieter. Wenn diese zahlen müssten, würden sie schon Bequemlichkeit plus Auftragskosten Makler ggü. Aufwand der Selbstvermietung abwägen oder zumindest den Makler mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis wählen.

    Gruß
    Bulldo

  2. ich bin überrascht über so viel Zustimmung und du hast vollkommen Recht: „Bequemlichkeit“ wäre das sehr viel bessere Wort!

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