Wish I was here

Ich könnte nun einfach schreiben: „Wish I was here ist der beste Film, den ich seit Jahren gesehen habe. Geht ihn euch ansehen! Ihr verpasst sonst ein fantastisches Stück Film“. Könnte ich… aber das wäre zu wenig. Ich versuche meine Begeisterung in ein kleines Stückchen Alufolie zu packen und erst noch etwas über den Film von Zach Braff (Regie, Hauptdarsteller, Produzent) zu schreiben.

2013 hat Zach Braff bei der Crowd-Funding-Plattform kickstarter für viel Furore gesorgt, als er – statt sein eigenes Geld zu benutzen – seine Fans gefragt haben, ob sie seinen neuen Film crowdfunden wollten. Es sollte nicht der zweite Teil vom brillanten „Quater-Life-Crisis“-Film „Garden State“ werden, aber doch sein geistiger Nachfolger.  Die Kampagne war erfolgreich und ich habe auch an ihr teilgenommen, weil ich bisher wirklich alles mag, wo Zach Braff mitmacht, weil ich ihn für einen fantastischen Schauspieler halte und er vor allem in seinen Filme Themen behandelt, die mich berühren.

Jeeedenfalls, ist vor zwei Wochen sein neuer Film für (fast) alle seine kickstarter-Unterstützer online abrufbar gewesen. „Fast alle“ bedeutet leider nur die in Amerika, Kanada und so. Das gab einen kleinen Skandal bzw. Aufschrei in der Netzgemeinde und war sicherlich nicht ganz glücklich. Parallel ist der Film jetzt auch in einigen amerikanischen Städten in Kinos zu sehen.

Und weil ich ein schlaues Kerlchen bin… oder zumindest den „Hola Unblocker“ kenne, der verschleiert, von wo aus man dieses ominöse Internet ansurft, konnte ich den Film aber auch schon sehen. Man hatte dafür ein Zeitfenster von… ich glaube 12 Stunden und man konnte ihn in diesem Zeitfenster nur ein einziges mal sehen.

WIWH ist ein Film über Träume, die nicht in Erfüllung gehen, über die Unberechenbarkeit des Lebens und Schicksalsschläge, Verlust und wie man mit diesem Ding, was sich Leben nennt umgeht. Dabei widmet er sich den Themen, die sich einem Mitt-Dreißiger stellen (lkönnen) – ein typischer Braff eben. Es gibt viele tolle Bilder zu sehen – vielleicht nicht so einprägsam wie in Garden State aber dennoch sehr schön gefilmt. Wobei, die Szene auf der COmic-Con ist wirklich lustig! Dazu ein Soundtrack den Zach mal wieder fantastisch zusammen gestellt hat. Da sind mal wieder „The Shins“ an Bord, aber auch Coldplay und Paul Simon.

Neben Braff spielen Kate Hudson als seine Frau, Mandy Patinkin als sein Vater, Jim Parsons, Donald Faison, Joey King als seine Tochter usw… Die Darsteller harmonieren toll miteinander und so ist ein Film entstanden, der einfach perfekt fließt. Man kann dem Film durchaus vorwerfen, dass er an einigen Stellen vielleicht doch ab und an mal ein wenig zu philosophisch daherkommt und ja, die meisten Konversationen sind aufgeladen mit den „ganz großen“ Fragen des Lebens – mal ernsthaft und mal komisch. Wer hier jetzt Hegel, Kant usw. erwartet wird natürlich enttäuscht. Es geht eben um Alltagsprobleme, die in recht schmucken Dialogen verpackt sind. Ja, ein bisschen viel Pathos kann da mal mitschwingen – aber auf der anderen Seite extrem viel Fantasie. Man muss das halt schon so ein bisschen mögen, ansonsten wird man sich vermutlich schnell genervt abwenden. Wer Michael Bay für einen brillanten Geschichtenerzähler hält, wird diesem Film sicherlich nichts abgewinnen können. Wer aber erleben möchte, wie sich ein Film anfühlt, der ein Regisseur mit viel Liebe zum Detail und zum Genre gedreht hat, landet hier einen Volltreffer.

Ich kann euch nur raten, euch den Trailer anzusehen (da unten) und vielleicht mal in den Soundtrack reinzuhören. Wenn ihr dessen Stimmung genießen könnt, dann ist das ein gutes Indiz, dass Wish I was here genau der richtige Film für euch ist.

Ich gebe dem Film 98 von 100 Punkten. Ich will ihn sehr sehr gerne sofort nochmal sehen und dann nochmal und nochmal. Er gefällt mir noch ein Stück besser als Garden State, besser als The Last Kiss oder The High Cost of Living. Ich freue mich wie ein Pony, wenn er endlich in die deutschen Kinos kommt und auf BluRay erscheint.

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