Die Gauchos die gehen so…

Am Sonntag und Montag haben sich alle laut und riesig gefreut, dass wir endlich wieder Fußball-Weltmeister sind – zurecht. Gut, dass Messi Spieler des Turniers geworden ist fanden viele Quatsch – ich hätte jetzt zwar nicht zwingend sofort einen Besseren aus dem Hut zaubern können, aber Hummels hätte es mehr verdient gehabt – aber ansonsten gab es nix zu nörgeln.

Am Dienstag dann aber passierte auf dem Fanfest in Berlin das:

Und als hätte die Presse darauf gewartet ging die Empörungs-Klick-Generierung los. Man braucht sich die unsäglichen Artikel und Essays usw. dazu gar nicht durchlesen, das ist verschenkte Zeit. Stattdessen liest man besser das Posting von Raphael Brinkert dem Geschäftsführer und Gesellschafter der Agentur Jung von Matt hat ein schönes passend-wie-Faust-aufs-Auge-Statement dazu auf Facebook veröffentlicht.

Liebe taz. die tageszeitung , lieber SPIEGEL ONLINE, liebe Medien,

oftmals seid ihr das fehlende Korrektiv in unserer Gesellschaft. Hilfreich, bedeutsam, mit einem guten Gespür dafür, was wichtig ist. Manchmal seid ihr jedoch auch Nörgler, Besserwisser und Kritiker an falscher Stelle. Denn, wenn Fußballer im Alter von Anfang 20 nach 36 Stunden Partymarathon nur für einen Moment ein Lied singen, welches Euch nicht in den Kram passt, schlägt nach Wochen der Euphorie Eure Stunde: Ihr schreit auf, sprecht von Häme gegen Argentinier, von Schmähgesten gegen Gauchos, von Respektlosigkeit im Siegestaumel. Ihr urteilt über junge Menschen, denen die ganze Welt eine Strophe zuvor noch zu Füßen lag.

Lasst uns die Kirche im Dorf lassen. Lasst Euch nicht dazu hinreißen, Euch wie boulevardeske Klickoptimierer hinzustellen, die jeden Versuch nutzen, User zu erhaschen, um mangelnde Online-Profitabilitäten zu kompensieren, sondern konzentriert Euch auf Qualitätsjournalismus. Auf Objektivität statt subjektiver Empfindungen auf Schülerzeitungs-Niveau.

Andernfalls geht ihr bald, wenn man das Lied zitieren möchte, wie die Argentinier nach Abpfiff des Endspiels. Vielleicht nicht gebückt, aber aus dem Sinn.

Raphael Brinkert

Dem habe ich nix hinzuzufügen. Gut, im letzten Abschnitt entgleitet ihm ein bisschen die Fassung und es wird so ein wenig… naja… polemisch.

Man kann aber tatsächlich noch einmal betonen, dass es sich um sieges- und alkoholtrunkene junge Fußballer handelt, die seit vielen Wochen unter absoluter Daueranspannung standen und die jetzt vor einer halben Million Menschen stehen und diese auch kurz mit ihrer grenzenlosen Freude unterhalten sollen. Da darf man DIESE politische Unkorrektheit (wenn überhaupt) schon entschuldigen bzw. besser: ignorieren/übersehen.

Manchmal reicht es, über Dinge einfach gar nicht zu berichten – einfach ausblenden wie die Flitzer bei der WM – oder während der WM einfach statt nur über Fußball zu berichten (Hallo SPON – auch mal über das Land und die Zustände schreiben… oder über die Zustände im Land unseres Finalgegners. Es gäbe sooo viel sinnvolleres, aber hier wird einfach der kurzfristige Klick-Ansturm befriedigt, statt mal langfristig in relevante Nachrichten und Berichte zu investieren, die vielleicht nicht sofort ähnlich begeistert geklickt werden, aber langfristig dem Journalismus sicherlich dienlicher sind.

2 Comments

  1. Aufgrund dieses unglaublichen und unerhörten Vorfalls müssen sofort drastische Maßnahmen ergriffen werden:

    1. Aberkennung des WM-Titels
    2. die betreffenden Spieler dürfen nie wieder in der Nationalmannschaft spielen
    3. Entschuldigung auf Ebene der Regierungsspitze und von Staatsoberhaupt
    4. Zahlung einer Entschädigung an Argentinien in Höhe eines Blankoschecks durch die Bundesregierung
    5. wöchentliche Schulungen für Nationalspieler in political correctness mit Abschlußtest
    6. … fällt mir grade nicht ein
    7. .. gibt bestimmt noch etwas

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