Fargo

Endlich ist es wieder Zeit für einen Film der Coen-Brüder… dachten die Kinogänger vermutlich 1996, als der Film „Fargo“ in die Kinos kam. Und nur etwa acht Jahre später habe ich Fargo nun auch gesehen. Nicht ganz ohne Anlass, denn in den USA wurde/wird im Jahr 2014 eine zehnteilige Serie zum Film – betreut durch die Coen-Brüder – ausgestrahlt.

Bisher sagte mir zwar der Name etwas, das war nämlich einer der preiswerteren Filme im Computerspiel MadTV. So war auch mein erster Gedanke, als ich den in der Online-Videothek im Angebot sah „Nahh, kann nix sein, der war bei MadTV so billig.“ Tja, so ist das, wenn man mit Computerspielen aufwächst…

Nachdem Rammel aber sagte, dass der Film ganz ansehnlich ist, und ich an diesem Wochenende Teilzeit-Strohwitwer war, habe ich mich vor den Fernseher gesetzt und Fargo eingeschaltet. Und worum geht’s nun? Und wie war der Film?

Der Film spielt in Minnesota, die Stadt Fargo ist nur deswegen relevant, weil die Auftragskidnapper, die die Hauptperson (William Macy) engagiert, um seine Frau zu entführen, aus Fargo stammen. Der Ehemann nämlich, führt das Autohaus im Namen seines Schwiegervaters, der nicht sonderlich viel von ihm hält und ihn das auch spüren lässt. Daher will er seine Frau entführen lassen, den beauftragten Kidnappern 80.000 Dollar „Belohnung“ zahlen und selber aber vorgeben, dass die Entführer eine Million Dollar wollen – und den Schwiegerpapa zahlen lassen. Mit dem Rest will er dann… nun, das wird nicht gesagt. Die ganze Sache soll absolut gewaltfrei über die Bühne gehen und natürlich tut sie das nicht ganz… und „nicht ganz“ meine ich im Sinne von „gar nicht“.

Mehr verrate ich nicht zur Story, denn es lohnt sich – da greife ich mal ein paar Zeilen vor – den Film zu schauen – er hält einige Überraschungen parat. Die Coens haben tolle Schauspieler wie Frances McDormand und Steve Buscemi  verpflichtet, die ihre Rollen ganz großartig mit Leben füllen. Die anderen Darsteller kenne ich leider namentlich nicht, die sind aber ebenso toll. Der Film verstrahlt in gänze eine melancholisch-skurrile Stimmung. Ich bin nicht der größte Fan der Coens, bei No Country vor Old Men habe ich mich sehr schnell gelangweilt, aber das schnee-ige Setting in und um Minneapolis und das kleine Städtchen Brainard, die tollen Dialoge und Dialekte, das hat alles eine Menge Spaß gemacht. Ich finde zum Beispiel die Szene mit den Polizisten beim ersten Tatort ganz fantastisch, ich sag nur „Yeah – Yeah – Yeah…“.

Nun bin ich nicht traurig, dass ich den Film nicht im Kino gesehen habe, denn er braucht nicht zwingend die große Leinwand, aber für einen launigen DVD-Abend ist er prima unterhaltsam. Allerdings vielleicht eher Richtung Herbst, wenn das Wetter da draußen besser zum Filmwetter passt – als wenn das relevant wäre…

Vielleicht noch eine Sache: Zu Beginn des FIlms kommt die Einblendung, dass der Film eine wahre Geschichte realitätsnah erzählt, die Namen aber frei erfunden sind. Nun, das ist Quark. Zwar sollen die Morde irgendwo in Amerika so vorgefallen sein, allerdings wohl nicht in Minneapolis. Von daher… der Film ist Fiktion und die Einblendung zu Beginn Mumpitz.

Fargo bekommt von mir 78 Punkte. Jeder, der etwas für skurrile, komisch-tragische und etwas melancholische und… ach komm, noch ein Adjektiv… ruhige Filme übrig hat, und den Coens den ein oder anderen Schlenker in einen Sideplot verzeiht (ich hab keine Ahnung, was das mit dem Treffen mit dem alten Schulfreund sollte… und warum die Polizistin schwanger… keiiiin Plan), der wird Fargo sicherlich toll finden. Bei den Tomaten erhält der Film quasi auch nur Lob von den Kritikern, da bin ich in guter Gesellschaft. Hier zum einstimmen der Trailer.

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