X-Men im Apfelstrudel der Zeit

Ich mag Zeitreisen in Filmen nicht – das ist mir oft zu unlogisch (Ausnahme: Zurück in die Zukunft 1 & 2) und ich mag die X-Men-Filme nicht… oder Wolverine. Total logisch also, dass ich in einen Film gehe, der sich „X-Men – Zukunft ist Vergangenheit“ nennt. Erwähnte ich, dass ich doofe deutsche Filmtitel auch nicht mag? Nun…

Worum dreht sich der neueste Streich der mutantösen Kämpfer für und gegen die Grechtigkeit, gefilmt von Bryan Singer, also? Es geht darum, dass Tyrion Lannister (oder wie auch immer er in dem Film heißt) Super-Roboter (Sentinels) gebaut hat bzw. bauen will, die (aus der Zukunft gesprochen) zuerst nur Mutanten umgenietet haben, später aber auch potentielle Mutanten und irgendwie dann so aus Versehen die gesamte Menschheit versklavt haben. Dabei haben sie die Welt auch noch in einen riesigen rauchigen Ascheplaneten verwandelt (in den Comics findet diese „Zukunft“ übrigens 2013 statt). Dumm gelaufen das alles und nun machen sich also die X-Men auf, sich selber aber so nebenbei auch alles andere zu retten. Sie schicken via Superkraft den Geist vom Wolverine in die 70er Jahe zurück, damit er dort Xavier, Magneto usw. klar macht, dass sie sich zusammen tun sollen, um die Zukunft zu retten. Dummerweise hat 1973 nämlich eine ihrer Kolleginnen, Mystique bzw. Raven (Jennifer Lawrence), den Erfinder der Super-Roboter erschossen, worauf hin die Menschheit so ängstlich wurde, dass sie erst recht etwas gegen die Mutanten tun wollen. Uuuuund ab die wilde Fahr…

Der Film startet mit einer grandiosen Actionszene mit den Sentinels, erklärt dann kurz das Zeitreiseding und zwar so, dass ich mich wirklich abgeholt fühle und ich mir denke „joa, kann so klappen, da zieh ich mit“, landet dann in den 70ern, führt kurz Quicksilver ein, legt den dann unverständlicher Weise wieder beiseite und wird dann laaaaaaangweilig – also für mich. Bis er dann am Ende wieder anzieht, ohne aber das Niveau und die Intensität aus der ersten Szene und der sehr humorvollen mit dem genannten QUicksilver wieder zu erreichen – trotz dem Baseball-Stadion aus dem Trailer.

Metamässig ist es total spannend, was Bryan Singer, der Regisseur hier macht. Generell erklärt er nämlich einfach sämtliche Filme der X-Men-Reihe, bis auf den direkten Vorgänger, für Null und Nichtig. Selbst die Wolverine-Streifen sind – folgt man der Chronologie des Films – nicht passiert. Nachdem die Mission nämlich erfolgreich war – und damit verrate ich vermutlich nicht zu viel – sind sämtliche Charaktere die in den Filmen ins Gras gebissen haben wieder lebendig und es sieht tatsächlich alles nach Friede-Freude-Eierkuchen aus. Das ist mal wirklich ein mutiger Vorstoß, denn der letzte Wolverine-Film ist noch nicht einmal ein Jahr alt.

Was ich auch sehr schön fand, war, das Halle Berry (die mit der Tittenszene in Password: Sowrdfish die überflüssigste Szene in einem Film Evor im überflüssigsten Film evor für sich reklamieren kann) zwar tatsächlich als X-Frau Storm gecastet wurde aber maximal zwei Sätze sagen darf, einmal die arme nach vorne und die Beine zusammen machen darf. Wow… dumm gelaufen für die Halle. Hehehehe! Viel präsenter ist dagegen Jennifer Lawrence aus den schlimmen Panem-Filmen… und das im Prinzip dauerhaft nackend… gut, mit blauem Bodypainting. Das kann Mann sich schon ganz gut angucken. Und vor allem fällt dann dieses dämliche Lamentieren um ihr Outfit flach, was die bescheuerten Panem-Filme auf ein Level der Unerträglichkeit gehoben hat, das für mich kaum auszuhalten war. Am spannendsten finde ich aber eigentlich eh Magneto, den von Michael Fassbender gespielten. Jaaa, Ian McKellen ist natürlich auch ein toller Schauspieler, aber als Magneto… bin ich nicht warm mit geworden. Der junge Prof. Xavier also quasi der junge Captain Picard ist dagegen… naja… blass.

Ich bin ein wenig unentschlossen, wie mir der Film gefällt. Ich habe noch zwei bis drei Szenen im Kopf, die wirklich herausragend waren, leider waren die Phasen dazwischen für mich ein wenig zu uninteressant, das mag insb. für Fans der Comics aber natürlich anders sein. Die Charaktere selber interessieren mich einfach zu wenig, als das ich mich mit deren Gefühlswelten und Schicksalen auseinandersetzen will. Vor allem habe ich nicht verstanden, dass Quicksilver nur so wenig Präsenz bekommt – auch weil es eigentlich unlogisch ist, dass die Herrschaften ihn nicht auch zur Weltrettung akquirieren…

Am Ende scheint X-Men – Days of Future Past ein klassischer Sandwich-Film zu sein. Er bildet die Brücke zwischen dem ersten Teil First Class und dem letzten, in dem Apocalypse (japp, der Fiesling heißt genu so) eine Hauptrolle spielen wird. Der Teil gibt sich Mühe, nicht ganz so brückig daher zu kommen. Aber er ist leider in großen Teilen doch nicht anders als andere X-Men-Filme, denen zuletzt ein Filmkritiker vorwarf, dass sie sich oft mehr nach Serien-Doppelfolge anfühlen als nach großem Blockbuster.

Gut, Schluss, Punktevergabe: Ich verge 72 Punkte, man kann ihn sich ansehen, aber er ist leider nur in Phasen wirklich besonders. Oft saß ich da und wartete, dass es endlich wieder los geht. Und am Ende kam dann doch nicht der große Knall der alles vorherige in den Schatten stellt. Bei den Rotten Tomatoes gibt es 91% positive Kritikerwertungen und ganze 95% des Publikums waren begeistert. Nun, schlecht fand ich ihn ja auch nicht…

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