Blackfish – Guckbefehl

blafiVor ein paar Wochen jubelten ein paar meiner Facebook-Freunde über die Dokumentation „Blackfish“, ganz kurz nachdem mir diese auch bei Netflix aufgefallen war.

Ich bin zwar ein Tierfreund und auch Tierdokus mag ich recht gerne, aber so richtig angefixt war ich nicht. An diesem Montag aber, habe ich aus einer Mischung aus Langeweile am späten Abend, Unlust schon ins Bett zu gehen und ein kleinem bisschen Interesse der Film eine Chance gegeben. Hat sich gelohnt! So mega, ey!

Blackfish ist eine Dokumentation über die Sea World-Parks in den USA bzw. generell die Haltung von Walen in Bassins um sie dem interessierten Publikum zu präsentieren und sie am Ende nass zu spritzen. Uh. Das war mir persönlich schon immer suspekt, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass die Säuger in so einem Swimming Pool nur im Ansatz glücklich sein können und ob sie gerne die ganzen Tricks machen, hab ich auch gern in Frage gestellt.

Kleiner Einschub: Dennoch war ich im letzten Jahr mit Annika und Rikes Kiddies in Duisburg in der Delfin-Show. Und nachdem ich den Film nun gesehen habe: Das werde ich nie wieder tun. Generell bin ich hier – das schicke ich voraus – etwas ambivalent, was meine Einstellung angeht. Zirkusse gehen generell gar nicht, Zoos halte ich aber durchaus für sinnvoll. Menschen brauchen – davon bin ich fest überzeugt – einen so unmittelbaren Kontakt wie möglich um z.B. etwas zu schützen. Mit den meisten der Tiere im Zoo kämen wir aber nie in Berührung und würden vermutlich kein Gefühl entwickelt haben, dass sie geschützt werden müssten. Zumindest würden wir ihnen mit mehr Gleichgültigkeit (nicht) begegnen. Aber warum finde ich es okayer Landtiere in Zoos auszustellen, als Meeresbewohner? Kann ich nur damit erklären, dass so ein Bassin generell nur sehr blau ist und die Tiere im Wasser ständig in Bewegung sind, wohin gegen so ein Löwe in seinem Käfig viel Grün gucken kann und ja auch in der Natur nicht ständig in Bewegung ist. Könnten Löwen lesen und würden meinem Blog folgen, würden sie mich ob dieser sehr menschlichen Sichtweise vermutlich Ohrfeigen… oder was wütende Löwen so machen.

Ich habe noch nie eine Doku gesehen, die mich innerlich so sehr aufgewühlt hat wie Blackfish. Er erzählt davon, wie junge Wale gefangen werden, wie sie gehalten werden und wie sie mit ihren Trainern in den Zoos interagieren. Es werden die tragischen „Unfälle“ mit Killerwalen und auch einem ganz speziellen namens „Tilikum“ der letzten… öhm… ich glaube… 40 Jahre gezeigt und was wir daraus gelernt haben. Es gibt herzzereissende Bilder von Mutterwalen zu sehen, denen die Konzerne ihre Jungen weggenommen und wie sie in Folge tagelang trauern. Es wird außerdem ganz grob erläutert, wie Wale leben und interagieren.

Das klingt jetzt hier alles sehr dröge, wie ich es hier runterschreibe, der Trailer ist auch nicht sehr aussagekräftig und von mir aus ist auch das DVD-Cover wenig spannend. Dennoch, tut euch selber einen Gefallen und opfert 90 Minuten eurer Zeit für diese Dokumentation.

Vielleicht noch eine kleine Einschränkung in technischer Hinsicht. Viele Filmaufnahmen sind alt, beispielsweise die Werbespots von Seaworld die gezeigt werden oder Aufnahmen von alten Shows aus dem Park – das ist oft etwas unschön anzuschauen, aber nun auch nicht schlimm. Daneben gibt es die Interviews mit ehemaligen Trainern und mit Experten, die natürlich in feinsten HD daher kommen. Die deutsche Variante ist ACHTUNG! Nicht synchronisiert, nur untertitelt. Die Übersetzungen sind auch prima, nur leider oft schlecht lesbar, weil die Schrift oft fast genauso weiß ist, wie der Hintergrund. Wieso man ausgerechnet bei einer Doku die Sprecher nicht dezent und etwas synchronisiert bzw. die dolmetscht. erschließt sich mir allerdings nicht. So werden wohl viele, die kein Englisch sprechen, diese Doku links liegen lassen – und verpassen damit etwas estrem Bewegendes.

Aber zum Urteil: Ich hätte mir noch ein bisschen mehr zum Wesen der Tiere gewünscht, der Themenbereich war etwas knapp gehalten. Schlussendlich reichten die Erklärungen aber, um die Verhaltensweisen der Tiere in Gefangenschaft zu erklären. Seaworld kam leider auch nicht zu Wort, das war aber deren eigene Entscheidung – kann man dem Film also auch nicht vorwerfen. Für die trockenen Nachrichtenfans: Manchmal ist der Film – auch wegen der musikalischen Untermalung – ein wenig dramatisch. Wer hier eine neutrale Positionierung erwartet, mit Argumenten von beiden Seiten wird enttäuscht. Aber wie man bei den gezeigten Bildern neutral bleiben könnte, erschließt sich mir eh nicht.

Von meinen 100 Klebepünktchen bekommt Blackfish insgesamt 89 Stück. Er ist gute Unterhaltung, gleichsam bedrückend und aufwühlend. Leider sind aber die deutsche Untertitel schlecht lesbar. Wenn man also gar kein Wort englisch versteht, könnte es anstrengend werden (ich habe die Maxdome-version gesehen, ich weiß nicht, ob die Untertitel bei der DVD oder BluRay-Version anders gestaltet sind, bei Netflix sind die englischen Untertitel dank einer dicken, schwarzen Outline um die Buchstaben herum sehr gut lesbar). Rotten Tomatoes hat Bewertungen zum Film gesammelt, die fielen zu 98% positiv aus.

One Comment

  1. Moinsen

    keine ahnung wegen des films.

    Hier ein kleiner Oberlehrer-Kommentar:
    der Kernunterschied zwischen Zoos und den „Seaworld“s dieser Welt ist, dass letztere freielebende Tiere fangen, Zoos hingegen Tiere züchten … z.T. können so aussterbende, manchmal sogar ausgestorbene Arten überhaupt noch erhalten werden.

    Cheerio, Bulldo

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