Chromecast – erster Eindruck

Es ist vielleicht ein bisschen früh, über den Chromecast zu „richten“, aber ich besitze ihn seit gestern und möchte meine ersten Eindrücke schildern, da gerade jetzt – wo der Hype recht groß ist – der ein oder andere vielleicht dazu tendiert ihn zu kaufen. Und sooo viel gibt es da auch gar nicht zu erzählen. Also:

Der USB-Stick-große Chromecast wird per HDMI an den Fernseher angeschlossen und zusätzlich über einen USB-Anschluss – ganz wie bei den Ladenkabeln eines Handys – an Strom angeschlossen. Die Einrichtung funktioniert danach ausschließlich über WLAN und beschränkt sich eigentlich darauf, dass man ihm das WLAN-Passwort verrät. Danach war es das schon.

Apps

Der Appstore für den Chromecast, den ich nur über die Chromecast-Setup-App im Handy gefunden habe, bietet einem dann z.B. die App von Watchever ode4r Youtube an. Auf dem Fernseher selber sieht man ausschließlich Naturbilder, die alle paar Sekunden wechseln, eine Uhrzeit und das Chromecast-Symbol. Mehr als ein großer digitaler Bilderrahmen, mit Fotos von Leuten die a) unverschämt gut fotografieren können und b) wissen, wie man Photoshop bedient und einer Uhr, ist der Chromecast bis hier hin nicht. Da sind keine Icons von Apps auf dem Bildschirm, nichts wohin man mit der TV-Fernbedieung navigieren könnte. Die Apps die man im Chromecast-Shop findet, werden auch nur auf den mobilen Geräten installiert, NICHT auf dem Chromecast. DIe Apps blasen das Bild dann durch die Luft zum Chromecast im Vollbild. Das funktioniert mit einem tatsch auf das Chromecast-Logo in der App – zumindest bei Youtube. Dann dauert es ein paar Sekündchen und das Bild ist auf dem TV.

Der Chromecast macht aus einem TV älterer Bauart, einen TV mit WLAN-Anschluss – die Vergleiche mit Smart-TVs auf denen auch tatsächlich Apps installiert sind, halte ich für zu hoch gegriffen.

Das Browser-Plugin

Es gibt ein Plugin für den Chromebrowser (auf dem PC), dass sich derzeit aber noch im Beta-Stadium befindet. Mit diesem Plugin kann man Browser-Tabs über den Chromecast auf den Fernseher beamen. Das finde ich extrem praktisch – ist aber im Endeffekt nicht viel mehr, als den TV per HDMI mit dem Rechner zu verbinden und dann das Bild zu duplizieren. Egal, die kabellose Variante hat mir gefallen, denn so konnte ich beispielsweise die tolle Serie „Vikings“ die wöchentlich auf hulu.com ausgestrahlt wird auf den Fernseher bringen – ohne Kabelgemetzel.

Aber: Erstmal erscheint das Bild auf dem TV sehr hell, hier müsste man nachjustieren. Außerdem verschwindet das Bild auf dem Rechner-Monitor nicht, auf beiden läuft es parallel. Und wenn ich „parallel“ schreibe, meine ich asynchron, denn das PC-Bild ist etwa 1-2 Sekunden voraus. Glücklicherweise zusammen mit dem Ton, denn der kommt dabei aus den TV-Lautsprechern. Im Prinzip habe ich mir aber genau das gewünscht. Auf dem Fernseher „nebenan“ läuft eine Serie oder Fußball und ich kann auf dem Monitor etwas arbeiten oder daddeln. Leider klappt das so ganz wie gewünscht doch nicht. Weil: Wenn ich beispielsweise bei hulu.com meine „Vikings“ auf Vollbild stelle, habe ich keinen Zugrifff mehr auf irgendwelche Icons, die Browser-Bedienlieste zum Tabwechsel usw. Ich kann zwar mit dem Tastaturbefehl Alt-Tab zu anderen Programmen switchen, dann löst sich das Vollbild aber in ein kleineres, in die Seite integriertes, Video (so wie bei Youtube) auf – das passiert dann analog genauso mit dem Bild, das gerade auf den TV übertragen wird. Das ist ärgerlich.

Noch viel ärgerlicher wird es aber, wenn man das gleiche mit Sky machen möchte. Und genau das war eigentlich mein zentraler W
unsch. Die Bundesliga via SkyGo gucken, aber über den TV. Hier funktioniert ausschließlich die Variante, dass man auf dem TV das Sky-Videobild in seiner kleinen Variante anzeigen lässt. Wenn man hier auf Vollbild schalten will erscheint auf dem TV eine leere Sky-Seite. Unbefriedigend! Ich vermute, das liegt an Sky, denn der Sender erlaubt z.B. auch nicht, dass man Screenshots von seinem Programm macht. Das habe ich ausprobiert, als wir mit der Aktion „Peter ist wieder da“-im Fääääanseeeehn waren.

Bei dieser Art der Nutzung sollte man das TV lieber per HDMI-Kabel mit dem PC verbinden. Dann dupliziert man das Bild nicht auf den TV, sondern weitet es auf ihn aus. Dann schiebt man den Browser mit dem Video in das TV hinein und auf dem Monitor kann man… was anderes tun. Aber Achtung: Der Sound kommt hierbei weiterhin aus den PC-Boxen.

Videoplayer auf dem PC

Weiterhin gibt es auch (noch) keine Plugins für etablierte Videoplayer wie den VLC-Player, mit denen man dessen Bild auf den Fernseher beamen könnte. Was aber funktioniert ist, im geöffneten Chromebrowser eine Videodatei abspielen zu lassen. Dazu kann man die einfach in den Browser draggen & droppen oder mit CTRL-O die Datei öffnen. Wenn man die dann auf den TV schickt und auf Vollbild schaltet, kann man mit Alt-Tab tatsächlich in andere Programme wechseln. Was so aber leider nicht funktioniert ist das einbinden von Untertiteln.

Fazit

Ich habe zwar jetzt eine Art WLAN-Antenne am TV und somit die Möglichkeit ein Möchte-Gern-„Smart-TV“ aus ihm zu machen, faktisch ist er das aber nicht. Achja, Leute die eh schon einen Smart-TV haben, der ans WLAN angeschlossen ist, brauchen KEINEN Chromecast. Man kann nämlich schon seit langer Zeit Youtube vom Telefon oder Tablet auf den Fernseher schicken – das entsprechende Symbol dazu, zeigt die Youtube-App schon seit langer Zeit an. Funktioniert prima, macht man (ich) aber faktisch… ein- oder zweimal pro Jahr. Ich glaube, für den Chromecast wird noch einiges an Apps und praktischen Programmen erscheinen. Vielleicht werden auch meine Vollbild-Problemchen gelöst (nur bei Sky habe ich da keinerlei Hoffnung), aber derzeit ist das Gerät für meine oben beschriebenen Zwecke/Wünsche leider eher überflüssig.

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