Nochmal Atom

Nach meinem letzten Eintrag über Atomenergie habe ich mir Stammtischparolen vorwerfen lassen dürfen und auch Uninformiertheit. Auch ein recht ausgiebiges Telefonat mit Hamburg (das ironischer Weise aufgrund von Energieknappheit in Hamburg plötzlich abbrach) habe ich zu diesem Thema gehabt.

[audio:http://www.ingoversum.de/audio/atom.mp3]

Ich habe mich jetzt also mal ein wenig informiert und halte weiterhin an meiner Meinung fest! Dazu möchte ich aber nochmal sagen, dass ich kritisiert habe, dass darüber diskutiert wird neue Atomkraftwerke zu bauen. Laut diesem Beschluss zum Atomenergieausstieg ist ein Neubau neuer Atomkraftwerke nicht zulässig. Außerdem scheuen die Stromkonzerne vor dem Neubau von AKWs (insbesondere der neuen Generationen), da diese nur eben nicht sonderlich rentabel sind.

Ich denke, ein Festhalten am Atomausstieg bis 2020 ist durchaus sinnvoll. In diesem Zusammenhang sollte man vielleicht wenige Jahre vor 2020 diskutieren, ob der endgültige Atomausstieg auch wirklich durchführbar ist. Dann schaut man sich den Stand der Technik an und kann dann fundierter diskutieren was machbar ist. Alles was zurzeit diskutiert wird bzgl. der technologischen Fortentwicklung ist größtenteils Kaffeesatzleserei. Lösungen vorzuweisen hat weder die Lobby der regenerativen Energien noch die Atomkraftbefürworter. Inssesondere das Thema Endlagerung ist auf dieser Seite entscheidend. Ich finde es eben „verantwortungslos“ (um es freundlich zu sagen, Gruß nach Hamburg), darüber nachzudenken neue Kraftwerke zu bauen, wenn die Endlagerung der Abfälle nicht geklärt ist. Und selbst wenn wir es eine effiziente, ökoligische usw. Endlagerungstechnologie geben wird, wo soll das Endlager stehen? Vor Düsseldorf? Vor München? Im Schwarzwald? Oder vielleicht doch lieber in Afrika in der Wüste? Oder in Sibirien? Ich lasse das mal offen… [Anm.d.Red.: Ich weiß, dass in Finnland gerade ein Endlager gebaut wird.]

Die Stimmung pro/contra Atomkraft hat sich in den letzten Tagen in Deutschland gewandelt. Die Energiekosten steigen, deswegen wird die vermeintlich billige Atomenergie als Ausweg betrachtet. Laut Berechnungen des Öko-Instituts könnte der Strompreis für einen Haushalt bis 2010 um 50Cent pro Monat (!!!!!) sinken.

Abschließend: Meine Meinung hat vor allem emotionale Gründe. Ich fühle mich einfach wohler, ohne dieses (große) Sicherheitsrisiko. Ich kenne auch niemanden, der ohne Bedenken in der Vorgarten eines Atomkraftwerkes ziehen wollte. Und wie angedeutet dürfte sich das bei Endlagerungsstätten nicht anders verhalten. Ziel heutiger Energieforschung muss es sein, energieeffizientere Fernseher, Computer, industrielle Anlagen us. zu produzieren und effizientere Technologien zur Gewinnung der regeneartiven Energien zu entwicklen. Nur weil unsere Nachbarn AKWs zu Hauf in Betrieb haben, müssen wir das doch nicht mitmachen, oder?

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Übrigens: Der Anteil der Atomenergie an weltweiten Energieproduktion liegt bei etwa 6%. Mir will nicht in den Kopf, dass diese 6% mittelfristig durch regenerative Energien nicht auszugleichen sind.

Beim Online-Auftritt der Zeit kann man sich übrigens ganz gut umfassend zum Thema informieren. Oder auch die sehr gute Diskussion im ARD-Presseclub vom 13.07.08 als Audiodatei hier downloaden.

9 Comments

  1. na gut, da muss ich wohl wieder antworten:

    (diese antorten spiegeln nicht meine meinung bzgl. atomenergie wider, sondern dienen hier lediglich dem weitern aufbau der wissenbasis)

    > In diesem Zusammenhang sollte man vielleicht wenige Jahre vor 2020 diskutieren, ob der endgültige Atomausstieg auch wirklich durchführbar ist. Dann schaut man sich den Stand der Technik an und kann dann fundierter diskutieren was machbar ist.

    Das funktioniert so nicht: typische Dauer zum Bau eines (normalen) Kraftwerks: ca. 3-5 Jahre. Inkl. Planung (Finanzierung, Engineering, etc. etc.) ca. 5-8 Jahre. Es wird uebrigens in den meisten Schaetzungen und Studien davon ausgegangen, dass wir — selbst wenn alle heutig geplanten neuen fossilen Kraftwerke kommen und die regenerative Erzeugung weiterhin gute bis ueberproportionale (bzgl. vergangener Entwicklung) Steigerungsraten hat, eine erhebliche **Energieluecke** in 2020 auftreten wird, siehe z.B. SPiegelbeitrag. Aufbau von regenerativen Quellen (gleicher Leistung wie die fossilen Kraftwerke) dauert typischerweise noch laenger. Das war also das technische problem bzgl. der zeitrahmen pro kraftwerk. Selbst wenn das alles kein Problem waere — wie soll man in kurzer zeit die finanzen aufbringen, um innerhalb von 5 Jahren 20% der deutschen Stromerzeugung neu aufzubauen — das kann, wenn ueberhaupt nur die chinesische, aber nicht die deutsche Volkswirtschaft (und die chinesen haben schon genug zu hause aufzubauen).

    Fazit (das ist jetzt schon wieder inkl. meiner interpretation…da kann deine schon wieder anders aussehen):

    man muss das heute schon planen, da fuehrt kein Weg dran vorbei. (und da ist jede oekonomische Wette bzgl. zukuenfitgem technischen Stand im grossen und ganzen eben eine wette… und die koennen auch verloren werden).

    > Laut Berechnungen des Öko-Instituts könnte der Strompreis für einen Haushalt bis 2010 um 50Cent pro Monat (!!!!!) sinken.

    Soweit ich diese Rechnung kenne, liegen ihr keine (sofortigen sowie abgezinst zukuenftigen) CO2 Kosten zugrunde, lediglich erhoete Abschreibungskosten fuer die Atommeiler sowie abgezinste Investitionskosten fuer Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen. Bei der Kalkulation der CO2 Kosten sollte man bedenken, dass der derzeitige Emissionshandel bei 20-30 EUR/tonne CO2 mit Sicherheit nicht alle Folgekosten beinhaltet, sondern vielleicht real dreimal so hoch ist, oder mehr? Greenpeace bitte!. Das wird sich irgendwann auch in den Preisen fuer den Emissionshandel niedeschlagen (hoffentlich! sonst geht naemlich die niederlande, schleswigholstein und halb suedostasien demnaechst baden… und katrina und ueberschwemmungen und stuerme und so weiter)

    Fazit:

    Es wird **wesentlich** teurer, wenn wir nicht einfach nur beruecksichtigen, dass ein paar andere kraftwerke gebaut werden muessen, wenn wir die ameiler abschalten, sondern dass wir deutliche CO2 Folgekosten haben werden, wenn wir deshalb nicht noch mehr braunkohlestinker abschalten koennen.

    > Der Anteil der Atomenergie an weltweiten Energieproduktion liegt bei etwa 6%. Mir will nicht in den Kopf, dass diese 6% mittelfristig durch regenerative Energien nicht auszugleichen sind.

    Diese Zahl erscheint mir extrem niedrig, zumindest fuer die *Strom*erzeugung (exkl. Energie fuer Heizen & Transport). Googeln ergab im ersten Treffer (welt) ~17%. Meiner Einschaetzung nach koennten in den naechsten ~10 Jahren ohne Probleme in der Groesenordnung von 5% d. *heutigen* Stromverbrauchs regenerativ hergestellt werden, vielleicht auch 15% (hier gehts um Groessenordnungen). Man koennte also alle AMeiler abstellen — das wuerde aber bedeuten, dass innerhalb von ca. 10 Jahren nochmal die gleiche Menge an bereits bestehenden fossilen-Brennstoff-Kraftwerken gebaut werden muessten, da die Verdoppelungszeit des chinesischen Energiebedarfs momentan ca. 5 Jahre ist und der absolute Energieverbrauch Chinas ist ca. 20% des weltweiten (dann noch Indien und andere Schwellenlaender mit demnaechst aehnlichen Wachstumsraten dazu, und es gibt ca. Verdoppelung in ~15-20 Jahren — hier gehts nur um Groessenordnungen!!). Doppelt so viele fossile Brennstoffkraftwerke weltweit — lass es dir auf der Zunge zergehen (klar, in Deutschland nicht, aber CO2 kennt keine Landesgrenzen).

    Fazit:

    Wenn wir nur abschalten (und vor allem nur in Deutschland), dann ist das alles „nur ein bisschen Atomkraft“, welches wir „einfach“ ersetzen koennen. Wenn wir aber keine neuen machen (und zwar weltweit), dann wird der weltweite CO2 Ausstoss mittelfristig(!), nicht mal langfristig, explodieren.
    Folgen siehe oben.

    Und dann hast du noch jede menge richtige fakten/vorschlaege aufgefuehrt, z.B. Endlagerproblematik, energieverbrauchreduktion.

    (ich wuerde dich gerne motivieren, damit doch mal anzufangen: installier dir energiesparlampen — ich habe 85% meiner leuchten bereits als sparversion und die niegelnagelneue Waschmaschine mit dem geringsten Strom- und Wasserverbrauch– und so saetze wie „heizung an und fenster auf, ist doch egal, ich zahl ja eh feste abschlaege“ wie zu wohnheimszeiten will ich auch nicht mehr hoeren, echt mal. [ich hoffe du schaemst dich im nachhinein])

    SO, das wars erstmal hierzu.

    Ich freue mich aber schon mal, dass der Ton auf dieser Seite angenehmer wurde. Zu einem respektvollen Umgang rufe ich auch alle anderen Duesseldorfer/Frankfurter/sonstwo sitzenden Blogteilnehmer auf. (wobei ich die 😉 schon verstehe, jaja)

    Herzlichst, euer Hamburger

    (obama sollte viel lieber nach hamburg kommen, da kann er dann vor dem fischmarkt oder sonstwo seine veranstaltung fuehren und rufen: „ich bin ein Hamburger“)

  2. bzgl. der 6%. Es gibt weltweit 439 Atomkraftwerke. Da erscheint mir 6% schon realistisch. Problem ist, dass die restliche Energie nicht zwingend sauberer ist.

    bzgl. der Diskussion „kurz“ vor 2020. Man kann Laufzeiten von Atomkraftwerken verlängern, das bedarf keiner 3-5 Jahre Bauzeit. Ein Neubau in Deutschland ist sowieso nicht im Sinne der Energiekonzerne, da (wie gesagt) der Bau eines modernen AKWs (zumindest noch) nicht sehr rentabel ist.

    Was mir auffällt: Man unterstellt der Forschung im Bereich Atomenergie immer wieder gigantische technische Fortschritte in den kommenden Jahren. Komischerweise werden im gleichen Atemzug der Forschung im Bereich regenerativer Energien nur minimale Fortschritte unterstellt. Eigenartig…

    Mir ist vollkommen klar, dass man nicht gleichzeitig aus Atomenergie und Kohlekraftwerkenergie aussteigen kann. Aber übrigens gibt es gerade bei Kohlekraftwerken mittlerweile Techniken die den CO2-Austoß erheblich verringern. Atomenergie muß also nicht mehr zwingend sauberer sein. Wobei ich das Wort „sauber „bei Atomenergie sowieso für unangebracht halte, man denke auch hier an die Endlagerung.

    Das Argument, dass um uns herum viele AKWs stehen und vllt. neue gebaut werden und es deswegen „nichts bringen würde“ wenn wir aussteigen (das Inselargument), lasse ich nicht gelten. Irgendwer muss immer anfangen. Das ist ähnlich wie die Geschichte mit dem „von der Brücke springen, wenn es auch die anderen tun“. Ist doch prima, wenn wir die ersten sind, können wir später die neuen Technologien verkaufen. Vorreiter zu sein, muss nicht falsch sein.

    Und auch das Argument, dass uns die anderen im Forschungsbereich Atomenergie wegrennen lasse ich nicht gelten. Sollen sie doch. Atomenergie wird allgmein als „Übergangstechnik“ betitelt. Da ist vielleicht die frühzeitige Forschung im Bereich reg. Energietechniken geschickter (siehe einen Abschnitt höher).

  3. > bzgl. der 6%. Es gibt weltweit 439 Atomkraftwerke. Da erscheint mir 6% schon realistisch.

    Ja wie gesagt: Gesamtenergie vrs. Stromanteil.

    > Problem ist, dass die restliche Energie nicht zwingend sauberer ist.

    du triffst den nagel genau auf den punkt! merkst du nicht, das ist wasser auf atommuehlen:
    genau, die restlichen 94% sind naemlich furchtbar CO2 dreckig und muessen auch mal sauber werden (das ist noch viel schwieriger als bei strom, denn der nichtstromanteil stammt aus transport und heizen, aber mit entsprechenden energietransportmittel h2 oder batterien werden die auch aus irgendwann einmal oekologischem, vorher vielleicht atomigen strom gewonnen). Wir muessen also noch viel mehr CO2-verursachende energienutzungsarten verhindern/aendern. (ich heule gleich!!!!)

    > bzgl. der Diskussion “kurz” vor 2020. Man kann Laufzeiten von Atomkraftwerken verlängern, das bedarf keiner 3-5 Jahre Bauzeit.

    OK. dann bist du also ein laufzeitverlaengerer! ((aha, wusst ichs doch. – kleiner scherz))

    Koennte man machen, aber: ich persoenlich halte es uebrigens fuer sehr gefaehrlich, durchweg alle AKWs, die es in deutschland gibt, zu verlaengern — da gibt es naemlich so einige uralte leichen darunter, siehe stoerfaelle – selbst die e-wirtschaft meckert ja nicht mal, einige meiler schliessen zu muessen. gehts aber mit dem fortschritt im regenerativen so weiter wie prognostiziert, muessen dann 2020 so gut wie *alle* AKWs dranbleiben (einige uralt-kohle dinger gehen naemlich auch in den ruhestand — hoffentlich!)

    > Was mir auffällt: Man unterstellt der Forschung im Bereich Atomenergie immer wieder gigantische technische Fortschritte in den kommenden Jahren.

    dies sind keine gigantischen und sprunghaften fortschritte: die forschung ging in den meisten anderen laendern unveraendert weiter, z.T auch in deutschland. die meiler, die wir hier haben sind aus den 60ern und 1970ern (1. und 2. generation!)! 3. Generation ist stand von heute. Die 4. so gut wie erforscht.

    > Aber übrigens gibt es gerade bei Kohlekraftwerken mittlerweile Techniken die den CO2-Austoß erheblich verringern. Atomenergie muß also nicht mehr zwingend sauberer sein.

    Das ist ohne betrachtnahme von CO2 storage (carbon sequestration), die ich fuer **aeusserst gefaehrlich** halte (das gehoert aber nicht hierhin – ist auch totale zukunftsmusik), *besonders stark* uebertrieben. es gibt thermodynamische grenzen, die man physikalisch nicht unterschreiten kann: selbst mit waermeauskopplung (normalerweise geht ein sehr grosser teil der waerme ungenutzt verloren, da kann man keine elektrizitaet draus machen, aber die kann man fuers heizen verwenden) kann man aus der thermodynamik und dem energiegehalt von kohle/gas/oel sowie dem kohlenstoffgehalt von kohle/gas/oel ganz leicht ausrechnen, dass kernkraft viel CO2 sauberer ist als alles fossile jemals sein kann.

    > Das Argument, dass um uns herum viele AKWs stehen und vllt. neue gebaut werden und es deswegen “nichts bringen würde” wenn wir aussteigen (das Inselargument), lasse ich nicht gelten.

    Deine Stellung dazu ist idealistisch, aber zu respektieren. Allerdings scheinen dir die gegebenheiten des europaeischen strommarktes unbekannt zu sein. Es gibt fuer europas stromnetze nur noch 2 netzgrenzen: innen/aussen EU sowie eine zwischen „West“-/Osteuropa (z Zt inkompatibilitaet). ueber alle anderen landes“grenzen“ hinweg findet ein in den letzten 10 jahren dramatisch explodierter stromhandel statt — z. teil als Nullsumme, d.h. export=import menge, das liegt daran, dass die franzosen beispielsweise guenstige basislast liefern koennen (AKWs laufen immer), deutschland zu spitzennachfragezeiten noch gaskraftwerke anfahren kann (die kann man „schnell“ ein/ausschalten, was mit fast allen anderen kraftwerken nicht geht). Die handelsgrenzen sind also offen: eine knappheit von strom auf deutschem markt (siehe diskussion vorher) verursacht hoehere importe von z.B. frankreich, die einfach ein AKW mehr bauen, oder z.B. osteuropa, wo wegen des noch nicht voll durchgeschlagenen wirtschaftswachstum etliche CO2 rostmuehlen darauf warten, angeschmissen zu werden und nach Dtschld liefern zu duerfen.

    Diese Import-parity von Strom wiederum bedeutet nicht, dass ein AKW Ausstieg von vorneherein keinen Sinn macht. Er muss aber politisch zumindest in ganz EU durchgesetzt werden, sonst s.o.

    > Und auch das Argument, dass uns die anderen im Forschungsbereich Atomenergie wegrennen lasse ich nicht gelten. Sollen sie doch.

    Sehe ich auch gar nicht als wichtiges argument. Siemens ist immer noch einer der groessten AKW Lieferanten und Technologiehersteller.

    > Da ist vielleicht die frühzeitige Forschung im Bereich reg. Energietechniken geschickter (siehe einen Abschnitt höher).

    jawoll! Mehr geld her, da bin ich fuer. (Es gibt in dtschld sogar vergleichsweise schon viel geld fuer diese forschung.)

    Das wars mal wieder von hier.
    Ich hoffe, es macht immer noch spass zu lesen.

    Gruesse aus HH

  4. nachtrag: es gibt in D natuerlich auch 1980er AKWs — ((die sinds auch, die ueberhaupt fuer verlaengerung in frage kommen sollten))

  5. das perverse an kraftwerken bauen ist: dadurch, dass es sich lohnen muss (sind ja nicht-staatliche investoren und riesige investitionen), sollen die dinger auch immer 30-40 jahre halten, wenn sie neu gebaut werden.

    das heisst natuerlich:
    schiet, wenn jetzt *neue* AKWs kommen, dann bleiben die auch ne ganze lange weile da.
    schiet noch einmal, wenn jetzt *neue* kohlekraftwerke kommen, dann bleiben die auch ne ganze lange weile da.

    nur so reingeworfen, um die verzwicktheit zu erlaeutern. und um zu demonstrieren, dass man ueber alles nachdenken sollte, wie ich finde. (vielleicht hat ja doch einer eine ueberragende idee, wie wir von uran, kohle, oel, und ein bisschen auch von gas wegkommen — bisher gibts noch keine richtigen ideen)

  6. nur kurz zur verlängerung der laufzeiten:

    von den 17 AKWs die wir in Deutschland haben, laufen nicht alle. Zeitweise werden bis zu sechs davon abgeschaltet – und das sind dann die alten Dinger. Aber da die eben vollkommen abgeschrieben sind und dementsprechend mehr gewinn abwerfen als die neuen, mögen die betreiber die nicht dauerhaft abschalten.

    die fast erforschte 4. generation mag niemand bauen, zu teuer, zu wenig rentabel.

    ich verlängere also lieber, anstatt für 30-40 jahre wieder so einen Meiler im Vorgarten stehen zu haben. Kleineres Übel.

    Ach zum Strompreis noch, warum der Strompreis durch neue AKWs bzw. Verlängerung der AKW-Laufzeit nicht zwingend preiswerter wird: Soweit ich informiert bin, wird Strom auf einer Börse gehandelt und das im Mix. Es kauft also niemand explizit Atomstrom. Der Preis richtet sich aber nach der teuersten Komponente in diesem Mix, das ist (soweit ich weiß) Kohle. Demenstprechend kommt beim Verbraucher nichts an.

    Sehr interessant wird übrigens sein, wie die CDU versuchen wird dieses Thema aus dem Bundestags-Wahlkampf rauszuhalten. Da hat der Steini wohl doch plötzlich Chancen…

  7. Doch während die CO2-Emissionen der Windenergie durch leistungsstärkere Turbinen und effizientere Bauweisen rückläufig sind, sehen Experten für die Kernkraft steigende Emissionen voraus. Der Grund: In den Uranvorkommen von Australien bis Kanada nimmt der Urananteil des Erzes immer mehr ab. Je geringer dieser Anteil ist, desto mehr Material muss mit hohem Energieaufwand verarbeitet werden, was zu immer höheren CO2-Emissionen führt.

    – quelle: tagesschau.de

  8. nur um der (ich finde höchst inspirierenden und äußerst interessanten) Diskussion noch ein kleines Randargument hinzuzufügen:

    Das Inselargument bestärkt ausserdem die Tatsache, dass gerade deutscher Atomstrom ja im Gegensatz zu unseren (vorallem etwas weiter entfernten) Nachbarn relativ sicher ist. Denn radioaktiver Fallout kennt ebensowenig Grenzen… In der Ukraine lief z.b. ein uns allen bekanntes Kraftwerk noch bis zum Jahre 2000 bis es endgültig abgeschaltet wurde.

    Ich muss dem Muchacho aus Hamburg auch absolut Recht geben. Ich finde die Misere auch irgendwie bedrückend. Die regenerativen Energiequellen müssen deutlich gestärkt werden, und gottseidank tut Deutschland (aber so ziemlich als einziger hat man das Gefühl) was in diesem Punkt. Solange aber die regernerativen Energiequellen nicht das leisten können was sie müssten um einen sauberen Atomausstieg zu gewährleisten denke ich: Atomkraft: ja bitte!

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