Alles irgendwie gleich demokratieschädlich

Ich habe via bildblog eine sehr schöne Auswertung der Präsenz von Politikern in Talkshows des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gesehen. Das Ergebnis lässt sich kurz fassen zu: Es wurden zu jeder Sendung im Untersuchungszeitraum Unionspolitiker eingeladen – Vertreter von Parteien die nicht im Parlament sind, werden nur beim ZDF eingeladen – aber gefühlt auch eher aus Versehen.

Das kann/sollte man sich hier mal ansehen – es ist auch nicht viel zu lesen, sondern wegen der vielen Kuchendiagramme vielleicht auch eher „süß“ und zum Gucken.

Aber ich will nicht nur verlinken, ich will auch noch ein bisschen mutmaßen. Ich finde, man hat in einigen Sendungen und Interviews mit Merkel und Steinbrück einige Unterschiede der beiden Parteiprogramme feststellen können – dabei waren die Ziele vielleicht gleich, aber der beschriebene Weg dorthin bei weitem nicht. Nun bekommen wir aber von den Medien permanent erzählt, der Wahlkampf wäre nicht nur wegen der merkelschen Demobilisierungstaktik so langweilig, sondern auch weil die Parteien sich bei ihren Programmen so sehr unterscheiden. Gleichzeitig nervt der Wahlkampf dann auch noch.. zu Schröders Zeiten, weil er zu laut war und jetzt eben, weil er zu leise ist. Nun, wer könnte dafür u.a. auch Verantwortung tragen?

Ich finde das eigenartig, weil – auch wenn man es kurz selber nachprüft und nicht nur den Spitzenkandidaten glaubt – es eben doch einige Unterschiede zu geben scheint. Ich mutmaße, dass die Medien aber gar kein Interesse an der Darstellung der programmatischen Unterschiede haben, denn das würde um einiges mehr Arbeit bei Recherche und Vergleich und bei der Interpretation verlangen. Vielleicht unterstellen sie ihren Zuschauern und Lesern aber auch einfach mangelndes Interesse an den Inhalten und gesteigertes Interesse an überflüssigen Kommentaren zu (überflüssigen) Stinkefingern, Schlandketten und ähnlichen Nebengeräuschen [Anm.d.Red.: ich wüsste übrigens gerne mal, warum die SZ die Bilderstrecke ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt rausgebracht hat].

Ich wünsche mir noch immer eine Sendung mit großen Tafeln, auf denen einzelne Themen wie Griechenlandrettung, NSA-Affäre uvm. von wirklich schlauen Menschen besprochen und die Lösungen der Parteien aufgezeichnet werden – so politisch neutral wie möglich. Irgendwann kann man diese Themen dann in Beziehung setzen und Interdependenzen aufzeigen. So könnte man uns Wählern die Komplexität von politischen Entscheidungen und vor allem auch unterschiedliche Lösungswege und Auswirkungen nahelegen. So eine Erklärbärsendung würde ich mir sofort im Fernsehen/Youtube (wo auch immer) anschauen – klar, ist ja auch meine Idee.

Aber es ist natürlich einfacher ständig zu beklagen, wie langweilig der Wahlkampf ist und wie wenig sich die Parteien noch unterscheiden. Mag sein, dass den Redaktionen die Zeit für Recherche usw. fehlt, aber trotzdem halte ich das – sofern meine These die Wahrheit tangieren sollte und gefühlt tut sie das – für sehr demokratieschädlich.

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