Dä‘ Dicke und die Nackte

Habt ihr damals, als MTV noch nen cooler Sende war und VIVA dagegen immer wie ein billiges – aber okayes – Abziehbild wirkte, auch die MTV Music Awards, MTV Europe Music Awards, Video Awards usw. geschaut? Ich schon!

Die waren auch oft genug extrem unterhaltsam mit tollen, lustigen Einspielfilmen und lustigen Kategorien wie „Best Villain“ oder „Best Kiss“. Mittlerweile interessieren mich die Awards allerdings gar nicht mehr… übrigens genauso wenig wie Bambis, Oscars usw.

Ich glaube, da geht es nicht nur mir so und vermutlich haben die Preisverleihungen auch bei der jüngeren Generation kaum noch den „Stellenwert“, den sie vielleicht in den 90ern hatten. Ist ja auch klar, denn MTV wird ja kaum noch als Musiksender wahrgenommen – glaub ich. Und wen interessiert schon, wenn ein Sender, der überwiegend scripted reality-Quatsch zeigt, irgendwelchen Musikern, deren Videos man bei Youtube schaut, Preise verleiht?

Um Aufmerksamkeit zu bekommen, braucht es da vermutlich also einen Skandal. Der ist laut und schrill und im besten Fall so groß, dass die Leute auch bei der nächsten Preisverleihung interessiert einschalten, sie wollen ja nix verpassen. So könnte es im Drehbuch stehen und vermutlich war in diesem Jahr Miley Cirus die ausgewählte Hauptdarstellerin und dieser Dicke… äh… Thicke der Nebendarsteller.

Ziemlich ungelenk und wenig sexy bewegte sich die Sängerin neben dem Herren auf der Bühne hin und her, griff sich mehrfach in den Schritt (hier guckbar). Dabei hatte sie dann weniger ein Super-Ausgeh-Heldendress an, als viel mehr ziemlich omahaft geschnittenen… joa.. Bikini? Unterwäsche? Egal, es war jedenfalls in Ocker! Oder Fleischfarben… man kann sich zumindest einreden, dass man es kaum sehen kann. Und sie hatte ihre Zunge dazu noch oft genug an der frischen Luft (das scheint aber generell für Fotos so ihr Ding zu sein). Das alles sah ein bisschen so aus, als wollte jemand krampfhaft sexy sein, indem er/sie sich katzenartig bewegt und verwegen dreinschaut. Zumindest das hat nicht funktioniert.

Nun aber kam der große moralische, mediale Aufschrei, denn das ging ja gar nicht, wie frivol und lasziv die Dame sich aufgeführt hat, ein Skandal halt. Vermutlich wird sich nun die PR-Abteilung von MTV  freuen wie Bolle, denn das mit dem Skandal hat ja gut funktioniert (interessant auch, dass MTV bei den zahlreichen Youtube-Videos gar nicht seine Rechte verletzt sieht). Denn machen wir uns doch mal nix vor, die Nummer wurde doch sicherlich x-mal geprobt und ich wette auch, dass die Künstler nicht einfach mit irgendwas auf die Bühne gelassen werden, sondern bei Live-Shows mal so generell eine Kostümkontrolle gemacht wird. Jedenfalls kann mir niemand erzählen, dass die Organisatoren und/oder MTV nix von der Nummer wussten. Aber selbst wenn…

Ich habe mir mal den Text von „Blurred Lines“ angeschaut, dem Song, bei dem Miley sich aufführte wie ein aufgekratztes, rolliges Huhn. Und dabei habe ich festgestellt, dass es ganz gut ist, dass ich nur selten auf den Text von Liedern achte – das geht übrigens bei deutschen Texten nicht so gut… „Wo sind all die Indiander hin“ und so… folgende drei Zeilen sind jedenfalls in den Lyrics enthalten:

Lemme be the one you back that ass up to
I’ll give you something big enough to tear your ass in two
He don’t smack that ass and pull your hair like that

Den Rest könnt ihr hier nachlesen…  wenn ihr denn meint, dass das sein muss.

Zunächst mal, hat Mileys Arschtanz ja schon mal wunderbar zum Inhalt gepasst – mindestens zu den oben genannten Zeilen. Und dass es vielleicht auch albern wäre, wenn Miley bei dem Song im Schneewittchenkostüm auf der Bühne Butterblumen gepflückt hätte, ist wohl auch klar. Man darf aber auch mal fragen, warum man sich nicht auch über den Text des Songs aufregt, statt nur über Mileys Verrenkungen. Irgendwo habe ich gehört, dass der Text Vergewaltigungen verherrlicht… nun, um das beurteilen zu können, bin ich vielleicht nicht tief genug in den englischen Redewendungen drin, ich halte das nach einmaligem Durchlesen aber für etwas sehr frei und weiträumig interpretiert.

Jaja, ist ja auch klar, das ist alles halb so wild und that’s Entertainment und so. Aber dennoch ist es doch einfach schwachsinnig und schizophren, mit diesem eigentlich eher ungelenken als skandalträchtigen Auftritt Web- und Zeitungsseiten zu füllen und den großen #Aufschrei zu üben, oder? Hätte es nicht gereicht, die zahlreichen witzigen Miley-reibt-sich-an-Bilder und Mileys-Zunge-ist-so-lang-Bilder im Internet zu verbreiten? Das ist doch viel positiver und unterhaltsamer, statt sich über so einen aufgebauschten Quatsch auch noch aufzuregen. Also da taugte Nippelgate nun wirklich noch eher zum Skandal…

 

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