politische Entfremdung

Das wird jetzt ein bisschen heikel, weil die kommenden Zeilen auf Halbwissen basieren und natürlich stark von meiner begrenzten, wenig tiefgehenden weil medial beeinflußten Wahrnehmung geprägt sind. Aber wie sage ich in so Situationen immer? Das ist ja hier ein Blog und nicht Die Zeit! Das Folgende ist also ausschließlich von meiner Wahrnehmung der Welt geprägt, wer widersprechen will, darf das gerne tun:

Ich bin extrem enttäuscht von Barack Obama. Während seines ersten Wahlkampfes war ich von der Energie und der Andersartigkeit begeistert. Vermutlich hat er mit seinem Webwahlkampf auch den Nerd in mir angesprochen,. Für mich stand er damals wirklich für einen anderen, besseren weil offenen, friedlichen und „ehrlichen“ Politikstil. Ich konnte auch den Nobelpreis in gewisser Weise nachvollziehen – zumindest konnte ich das Getöse um die Verleihung nicht verstehen.

Seine politischen Erfolge blieben dann erstmal aus, er musste sich doch sehr oft auf Deals mit den Republikanern einlassen, die im Prinzip alles blockierten, was Obama anschob. Aber spätestens seit der Wiederwahl machte sich bei mir doch große Enttäuschung breit. Mir ist zumindest nichts von einer ökologischen Politik zu Ohren gekommen, nichts von der Modernisierung des Landes. Die PRISM-Affäre und mit welcher Arroganz und Selbstverständlichkeit er jegliche Kritik wegbügelt – und das er überhaupt solche Geheimdienstaktivitäten duldet, haben mich sehr erschrocken. Ich hatte mir von ihm andere Positionen und Einstellungen erhofft. Da war ich wohl zu blauäugig…

Auch der vermutlich bald stattfindende Angriff auf Syrien wundert mich sehr und irgendwie ist das auch nicht der Obama, den ich mal gut fand. Ich finde nämlich die Kommentare, dass Assad aus politischer Sicht gar kein „Interesse“ an Giftgasanschlägen haben kann, weil er ja nur damit die Welt zu einem Eingreifen „überreden“ konnte, ziemlich einleuchtend und logisch. Und dass die Geheimdienste der USA nun nicht gerade zimperlich im Fälschen von angeblichen Beweisen sind, weiß man ja spätestens seit der Bush-Ära. Dementsprechend sind mir die „Beweise“ die dort präsentiert werden auch eher wurscht.

Bei George Bush, war bzw. wäre eine solche Politik für mich absolut erwartbar gewesen. Das Problem bei Obama ist, dass ich es so nicht erwartet habe – und das Desillusioniert mich, nicht auf eine gute Weise. Denn er hat vor einigen Jahren noch große Reden von Frieden, Aufbruch, Hofnnung, Wandel usw. gehalten – und er enttäuscht tatsächlich wirklich auf der ganzen Linie, ohne dass ich jemals erwartet hätte, er würde/könnte all die formulierten Ziele erreichen. Das ist schade, denn in Zukunft wird es bei Politikern die ähnlich auftreten vermutlich immer heißen „So ne Quatsch hätt dä Obama och vertellt!“, ja auch der Amerikaner würde das im rheinischen Dialekt sagen. Das verbaut Chancen und vor allem verbaut es Politikern die eher versöhnen als Spalten und vielleicht tatsächlich den von Obama einst angepriesenen Stilwandel durchführen wollen, den Weg. Das wäre tragisch.

Deswegen finde ich das Handeln Obamas nicht nur in Bezug auf die tatsächlichen Entscheidungen, sondern auch deren Signalwirkung doppelt und dreifach traurig. Ich bin maßlos enttäuscht. Ich wil ldiesen menschen eigentlich gar nicht mehr sehen, so wie man von einem Menschen „angeekelt“ ist, der einen hintergangen hat. Und ich stelle mir (mal wieder) die Frage, ob es doch nur eine Politikergattung gibt? Ob die Ochsentour die Menschen mit idealen so sehr verändert, dass am Ende doch immer das gleiche rauskommt. Nämlich Politiker, die mindestens einmal zu oft von einflußreichen Minderheiten vor sich her getrieben werden. Ich frage mich auch, was das für die zunehmende Entfremdung von Gesellschaft und Politikern heißt (ich unterstelle die einfach mal)?

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