liberales Geblubber

Es ist immer ein schönes Gefühl, wenn man nach seiner Meinung gefragt wird… also fast immer… „Schatz, kann ich das anziehen?“, ist vielleicht so einer dieser Meinungsäußerungssituationen, die Mann nicht ganz so gern hat.

Wenn man nun den Beruf des Politikers inne hat, ist das Schöne, dass man quasi permanent seine Meinung kundtun kann, darf und oft auch soll. Und spätestens wenn es medial um einen herum so ein wenig still wird – weil man beispielsweise in der Landespolitik nur ein ganz kleines Licht ist – dann tut man seine Meinung auch mal kund, obwohl gar nicht nach ihr gefragt wurde. Und dann tritt noch eine zweite Regel in Kraft. Je mehr „hau-drauf“ der Aussage beiwohnt und auch je einfacher (lies: unfassbar bescheuert) sie formuliert und inhaltlich gestrickt ist, desto eher und prominenter kommt man dann auch noch in die Medien. Beispiele dafür gibt es unzählige und das nicht nur von den sog. Hinterbänklern im Sommerloch.

Aktuell ist die FDP wieder ganz vorne mit dabei, was ihrer Unterstützung in der Bevölkerung lustigerweise diametral entgegen steht. Es ist so ein bisschen so, als wäre die FDP ein Formel 1-Team mit veralteter Technik, aber weil die Elektronik fehlerhaft ist, hupen und röhren die Autos die ganze Zeit so laut, dass sie immer wieder von der Kamera eingefangen werden. Sie machen halt Rabatz – für das Gesamtergebnis des Rennens unerheblich, aber eben laut.

Philipp Rösler äußerte sich – ich glaube vorletzte Woche – als die Energiewende-Sau durchs Mediendorf getrieben wurde, u.a. mit den Worten „Die Zeit der Konsensrunden ist vorbei, jetzt gilt es, zur Tat zu schreiten!„. Aha, soso. Und äh… was soll das bitte bedeuten? Was hat Herr Rösler denn überhaupt auf dem Radar, was ohne Konses durchgepeitscht werden soll? Mir fehlte eigentlich, dass er danach musikalisch anstimmt „Wir woll’n uns’ren Kaiser wieder hab’n, Kaiser wieder hab’n…“. Wieso kommt  der Bundswirtschaftsminister mit so mit so einer inhaltlichen Nullnummer in Funk und Fernsehen? Ja, ich weiß die Antwort selbst: weil er eben Minister ist. Mal ganz nebenbei, kann sich irgendjemand vorstellen, dass Rösler in eine Kabinettssitzung reinplatzt und laut brüllt „Schluss mit diesem Konsens! „? Sehr schwer vorstellbar… sehr sehr schwer.

Und gestern meldete sich dann auch mal wieder Christian Lindner (natürlich auch FDP) zu Wort. Hach, was war es um den Lautsprecher schön still geworden. Vielleicht auch gerade deshalb hat ihm jemand geraten mal einen rauszukloppen. „Die SPD ist eine Gefahr für Deutschland!“, hat er nun in einem Interview posaunt. Er bezog das auf den Linksruck, den die SPD unter Gabriel gemacht habe. Vielleicht sollte sich die FDP und auch Herr Lindner lieber über die niedirge Unterstützung ihrer potenziellen Wählerschaft Gedanken machen. Aber gut, in der Form ist die Partei sicherlich keinerlei Gefahr für Deutschland – vielleicht wollte er genau das herausstellen? „SPD, nimm dir ein Beispiel an uns, wir sind keine Gefahr für Deutschland, werdet so irrelevant wie die FDP!“

Privat würde man mit Aussagen solcher „Güte“ über den Stammtisch hinaus sicherlich kaum Gehör finden. Zu recht!

Bei beiden Aussagen frage ich mich, warum man mit so einem Mist mediale Präsenz erreicht. Ich finde, so etwas müssen Medien nicht zitieren, sowas dürfen oder sollen sie sogar ignorieren. Und komm mir bitte jetzt niemand mit den wirtschaftlichen Notwendigkeiten der Medien, die Kritik hier ist eher „moralischer“ Natur – und außerdem erklärt dieses Argument nicht, warum die Zitate auch auf den öffentlich rechtlichen Sendern gebracht werden.

 

***UPDATE***

Die ZEIT hat sogar noch ein markiges Bild von Herrn Lindner zur Überschrift gepackt. Jetzt spüre ich die angst plötzlich auch. Wenn auch so entschlossen gestikuliert und guckt.

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