Jeff, bleib zuhause!

Jedes Jahr gibt es zahlreiche romatische Komödien von der Stange und seit ein paar Jahren spielt eigentlich immer Jason Segel (Mrshall aus How I met your mother) mit – ziemlich oft sogar die Hauptrolle.

Der neueste Film ist „Jeff, who lives at home“, im Deutschen heißt er „Jeff der zu Hause lebt“, glaube ich. Das schön ist, dass die Titel-Übersetzungsbüros hier kaum etwas verschlimmern konnten, der Titel ist im Original und im deutschen schwach und ist sicherlich auf der erweiterten Liste der blöden Film-Namen. Jedenfalls ist das nicht wirklich eine romantische Komödie, es ist eher eine Dramödie über einen Kerl im Lebensfindungsprozess. Und wie ist es denn nun geworden?

Achso, ich habe den Film auf englisch gesehen, er ist gerade in Deutschland im Kino. Also dann…

Jeff ist ein 30jähriger, der noch bei seiner Mutter daheim wohnt. Mit seinem zynischen Bruder ist er ziemlich zerstritten und er wartet noch auf ein Zeichen, was er mit seinem Leben anfangen soll. Zufälligerweise ist gerade die Kamera dabei, als er angerufen wird und der Herr an der Leitung in bestem Ghettoslang nach einem „Kevin“ fragt. Und so einfach führt man ein Leitmotiv für der gesamten Film ein – die Suche von Jeff nach einem Kevin. Der vermutet nämlich, dass sich dahinter irgendwas verbirgt. Etwas weit hergeholt? Irgendwie schon, ja.

Das ganze kommt dabei aber zu Beginn noch recht ruhig und nachdenklich daher – vermutlich soll es an der ein oder anderen Stelle auch lustig sein, denn Jason Segel ist ja immer so ein bisschen tapsig und trottelig, mit seinen bärigen Bewegungen und seiner angesoffen klingenden Stimme – aber mehr als ein Schmunzeln war bei mir nicht drin.

Der Film schnuffelt sich also so voran, Jeff trifft auf seinen Bruder, dessen Streit mit seiner Frau sich prima in die Geschichte einwebt und Jeffs Reise zwar leicht vom Kevin-Weg weg, dann aber natürlich auch wieder zusammenführt. Diese Storyline nimmt dann auch den Hauptteil des Filmes ein. Dazu kommt noch ein Erzählstrang über Jeffs Mutter und einen heimlichen Verehrer im Büro. Irgendwie fühlte sich das falsch an und ich fragte mich die ganze Zeit, wann es denn wieder um den Hauptplot gehen würde.

Am Ende – und ich will nix spoilern – löst sich die Geschichte mit Kevin auf, alles ist gut und dazu so richtig cheesy hollywoodesk zuende gebracht. So wird aus dem zunächst er langsamen, nachdenklichen Film ein lahmer Film mit einer triefenden Ende.

Ich mag nachdenkliche Filme – ich will hier mal wieder an Filme mit Zach Braff erinnern, wie Garden State und Last Kiss – aber was hier anfangs unter dem Deckmättelchen der Nachdenklichkeit um das Finden des Sinnes im Leben präsentiert wird ist fast unverschämt. Ich habe mich irgendwann fast betrogen gefühlt. Der Grundtenor ist, dass nichts zufällig passiert, sondern alles irgendwie eine Bestimmung hat. Vermutlich tanzt Papst Benedikt eine Samba vor Freude über diese christliche Philosophie, ich wäre ja auch noch dabei und würde ihn zweimal drehen vor Freude, aber die Umsetzung… Herrje die Umsetzung. Jeff schnuffelt sich so durch den Film wie Linus in den Peanuts mit seinem Tuch. Der Bruder, der die Dinge raionaler sieht und Jeff und den Film ab und zu auf den Boden der Tatsachen zurückholen könnte, ist dabei so unsympathisch, dass man ihn am liebsten… hach… und auch hier wird er gespielt von einem Schauspieler, der immer genau diese Rolle, des giftigen Zynikers spielt.

Ich wollte den Film mögen, ich dachte, es wäre endlich mal kein typischer Jason Segel Film, wo er der trottelige Kerl ist, der am Ende mit einer hinreißenden Geschichte über Liebe und Zärtlichkeit die total oberflächliche, sexsüchtige Frau bekehrt und mit ihr in die Abendsonne fährt.Er ist es zwar auch nicht, aber ist nach 20 Minuten Schluss mit dem Tiefgründigen. Ich habe mich gelangweilt… wirklich seeeehr gelangweilt. Das Ende ist noch das klebrige Sahnehäubchen. Das Buch des Films ist dabei aber auch so geschrieben, dass selbst ein trauriges Ende den Film nicht mehr hätte retten können. So lahm der Film auch ist, er steuert wie auf Schienen geradezu mit Schallgeschwindigkeit auf eine stahlbetonverstärkte Kitschwand zu, ohne Airbag und Schleudersitz und dann flaaaaatsch!

30 Punkte gebe ich dem Film, weil ich die rothaarige Nebendarstellerin mag (Judy Grier), die die Frau von Jeffs Bruder spielt und weil ich mir Raum lassen möchte andere Filme noch schlechter zu bewerten. Ich bin dem Film fast böse, dass er die relativ interessante Ausgangslage nicht besser genutzt hat. Auch mit Jason Segel wäre das hier möglich gewesen. Die Tomaten vergeben glatte 77% und in der Publikumswertung kommen 65% zusammen. Ich sage trotzdem: Nicht ins Kino gehen!!!

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