Bei Olympia ist Weltuntergang

Ich habe noch nicht allzu viel von den Olympischen Spielen im TV gesehen. Anscheinend war ja sogar die Eröffnungsveranstaltung mal sehenswert, habe ich gelesen. Ich habe mir daraufhin in der Mediathek des ZDF die Episode mit Daniel Craig und der Queen angeschaut und musste mich beim Kommentar von Wolf-Dieter Poschmann mehrfach übergeben… aber darum soll es hier nicht gehen.

Ich habe ein bisschen Rudern gesehen und Bulldo dabei vermisst und beim Schwimmen habe ich reingezappt – sowohl bei der ARD und dem ZDF. Und das war ja wirklich schlimm! Nein was waaar das schlihihimmm! Auf der einen Seite die Schwimmer die die Erwartungen nicht erfüllten und auf der anderen Seite die Berichterstattung. Da überboten sich ZDF und ARD mit Trauermeldungen, mit Enttäuschung und Debakel, Skandal, Anklagen, Kopfproblemen und Weltuntergangsstimmung. Himmel-Herr-Gott! Ist es denn wirklich sooo schlimm? Es war der erste und oder zweite Tag und die Schwimmer haben nicht direkt Medaillen abgesahnt. (ein Artikel der SZ dazu)

Ich finde die ganze Medientrauer nun gerade in Hinsicht auf das Thema Doping so niederträchtig. ARD und ZDF sind bei der Berichterstattung über Doping ja eben immer vorne dabei und das finde ich auch prima. Aber wenn man Athleten natürlich immer wieder vorhält, dass sie total versagt haben, weil sie bei einem Wettkampf mal nicht ihre Bestzeit erreicht oder unterboten haben, weil sie nicht ins Finale gekommen sind, dann sendet das ein Signal. Keiner der Schwimmer wird nämlich gerne direkt nach einem Lauf Fragen beantworten, warum es nicht geklappt hat, warum man eine Sekunde langsamer war als die anderen oder man selber noch vor drei Monaten usw. Das ist mindestens unangenehm, wenn man sich gerade selber über seine Leistung ärgert. Aber sowas passiert halt eben mal – auch bei Olympia. Und wenn die Sportler dann nicht gehörig genug traurig sind, wird nachher von Experten und Kommentatoren noch Unverständnis geäußert und die Einstellung kritisiert. Wem ist damit denn bitte geholfen!

Nehmen wir einfach mal an, sämtliche deutsche Sportler sind Gutmenschen und dopen nicht, nehmen wir an, viele andere (Gewinner) Sportler bei den Spielen sind gedopt. Welches Signal setzt dann zusätzlich die Berichterstattung der Medien an die Sportler? Darüber hinaus, dass die sauberen Deutschen eine vermutlich unmenschliche Leistung bringen müssten, um gegen die top gedopten Athleten anzukommen, müssen sie jetzt auch noch extra Energie aufwenden, um sich vor den Kameras zu erklären – und sich dabei gefälligst noch selber als Versager hinstellen. Auf vermutlich gedopte Konkurrenten hinweisen? Macht gar keinen schlanken Fuß ohne Beweise. Der Ausweg aus dieser Spirale? Das aufgeben, was man seit Kindheit her mit Begeisterung macht, oder eben auch mal bei Herrn Fuentes anklingeln.

Das Wichtigste an den Olympischen Spielen ist nicht der Sieg, sondern die Teilnahme, wie auch das Wichtigste im Leben nicht der Sieg, sondern das Streben nach einem Ziel ist. Das Wichtigste ist nicht, erobert zu haben, sondern gut gekämpft zu haben. (Quelle)

Ich hab es oben schon geschrieben, ich wünsche mir eine gelasseneren Umgang mit der ganzen Thematik. Vergesst doch mal den Medaillenspiegel der Nationen, ist es nicht wurscht, wer oben auf dem Treppchen steht, nach einer tollen Leistung und vielleicht auch noch vor Freude weint, juchzt oder was auch immer? Ist es nicht toll anzusehen, wie ein Schwimmer aus Qatar gefühlte 10 Minuten nach allen anderen anschlägt und das Publikum in der Halle jubelt? Deswegen schalte zumindest ich bei den olympischen Spielen ein. Und wenn ich dann auch mal mit deutschen Sportlern jubeln kann, ist das umso toller! Also ARD und ZDF, schaltet mal einen Gang zurück und unterstützt die Sportler, zeigt, dass ihr auf ihrer Seite seid und baut sie nach schlechten Leistungen auf!

 

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