Fällt ein Sack Reis um…

Mit fortschreitendem Alter wird man ja doch immer gelassener, vielleicht wird mancher sogar auch souveräner. Bei den vielen weltlichen Problemen und Skandalen, bei denen die Presse gerne wild umherkreischt, als wäre gerade eine gigantische Alienflotte in unseren Orbit eingedrungen und habe ausschließlich angedroht, die Pressefreiheit zu verbieten, bei diesen Themen sehe ich doch vieles nur noch mit Achselzucken. Da regt sich kurz ein Zeigefinger und die Empörung schwillt an, aber ganz bald ist alles schon wieder vorbei. Vermutlich ist das wenigstens gesund für mein Herz. Das sind meist genau die Themen, bei denen in der Presse am lautesten gebrüllt wird die Dinge, die mich oft am Wenigsten tangieren. Die FIFA ist korrupt? Ach ehrlich? Deutschland hat die WM 2006 gekauft? Ui, das ist ja sowas von unerwartet. Kristina Schröder trifft total doofe Entscheidungen? Ja wie verrückt ist das denn?

Dann gibt es da aber auch noch die Themen, wo ich mich maßlos ärgere, die in den Medien aber maximal ein klitzekleines Stürmchen auslösen. Die Debatte über das neue Einwohnermeldegesetz fand ich unzureichend recherchiert und viel zu kurz präsent. Wer steckte genau mit welcher Intention hinter dem Vorhaben? Wo war das investigative – und ich möchte dieses Adjektiv ganz besonders betonen – Interview mit der Person, die die Änderung initiiert hat? Wo war die Debatte um die augenscheinliche Ignoranz unserer Politiker bzgl. der Änderung des Wahlrechts? Stattdessen beschäftigt man sich lieber mit einem Leistungsschutzrecht, betont, wie unfassbar toll damit die Welt werden wird und das alle Kritiker Babyelefanten zum Frühstück essen, oder noch viel schlimmer moralisch verdorben sind. Jaja, ihr seid ganz toll liebe Verlage.

Ich lese täglich einige Artikel in den online-Angeboten von SZ, FAZ, Zeit und Spiegel, oft sind es genau die Themen, die kaum bespielt werden, die mich am ehesten aufregen. Das Schlimme ist dann, dass mir quasi die Grundlage zum Aufregen fehlt. Mir fehlen die Infos, warum eine Entscheidung so oder so getroffen wurde, damit ich mich wirklich begründet echauffieren kann. Dann Meta-Echauffiere ich mich, was wiederum ungesund ist, befürchte ich.

Und das wirkt sich dann irgendwie auch auf meinen Blog aus. Was soll ich denn zur Korruptionsdebatte um die FIFA noch sagen, dass nicht schon zig mal gesagt wurde in den vergangenen Tagen? Und am ende kommt solch ein Artikel raus, bei dem ich nur deshalb auf den Button „veröffentlichen“ klicke, weil mir ja eh gerade nix anderes in den Sinn kommt…

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