Zeitfresser

Zunächst mal eine kurze Chronologie einiger Vorkommnisse, bevor ich etwas über den Film „In Time“ mit Justin Timberlake schreibe. Als ich den Trailer im Kino sah (vor Contagion), dachte ich sowas wie „Ui, klingt nach einem coolen Konzept!“, dann sagte man mir, der Film wäre sehr unterdurchschnittlich. Das wollte ich nicht glauben. Ich hörte es häufiger und schaute bei den Rottens nach. Dort bekam der Film ganze 37%. Noch immer wollte ich es nicht glauben und habe mich wirklich gefreut, den Film endlich sehen zu können. Nun… hach.

In Time spielt in einer Welt, in der nicht mehr Geld das Zahlungsmittel ist, sondern Lebenszeit. Wenn die abgelaufen ist, ist Sabbat. Zu einem Zeitpunkt im leben, startet plötzlich eine Uhr mit 52 oder Jahren Lebenszeit. Ab diesem Zeitpunkt altert niemand mehr, aber jeder kämpft auch damit, rechtzeitig genug Zeit auf dem Konto zu haben, damit die Uhr nicht final abläuft. Durch eine glückliche Fügung kommt Justin am Anfang des Films nun zu 100 Jahren Lebenszeit, die ein lebensmüder Kerl nicht mehr haben möchte. Durch eine unglückliche Fügung verliert er allerdings seine Mutter, die eine Sekunde bevor er ihr Zeit „überweisen“ kann, ihren letzten Atemzug tut.

Justin ist richtig sickig, will aber erst einmal die schönen Seiten der Zeit genießen – natürlich aber mit Miesepeter-Miene. Er fährt ins Reichnviertel, gewinnt dort gegen den obersten Zeitverteiler-Mogul beim Poker viele Jahre, lernt seine Tochter kennen – alles prima. Allerdings gefällt der Zeitpolizei die ganze Sache nicht, sie denkt er hätte Zeit gestohlen und schwupps kidnapped Justin die Tochter des Zeitmoguls und eine rasante… nein lahme Verfolgungsjagd beginnt, in der die zwei sich näher kommen und sie versteht, warum Zeit so kostbar ist und das Leben nicht langweilig sein muss. Schnarch! Viel mehr sag ich jetzt mal nicht zum Inhalt, ich denke das reicht – das gab es so ähnlich schon hunderte Male.

Eine „lustige“ Geschichte rankt sich um die Zeitpolizisten. Damit diese nämlich nicht vom wilden Mob ihrer Zeit beraubt werden, haben die immer nur so viel dabei, wie sie für einen Einsatz brauchen. Diese Zeit bekommen sie durch ein Interface in ihrem Auto. Klingt logisch. Unlogisch wird es am Ende. Justin und Schnecke kommen durch glückliche Fügung (mal wieder) an so ein Polizeiauto (mal wieder) und Justin ordert Zeit. Statt aber ca. zwei Stunden zu bekommen, wie ein Polizist in einer vorherigen Szene, bekommt er, ohne Weiteres einen ganzen Tag. Und das ist nur ein Beispiel für die logischen Brüche, die es leider zu häufig in diesem Film gibt. Ich bin ja gewillt über einige dieser Brüche hinweg zu sehen, aber in diesem Streifen ist es doch ein bisschen viel.

Am Ende macht der Film nämlich leider das, was Justin im Film vorgeworfen wird, er stiehlt ca 100 Minuten Lebenzeit. Ich finde noch immer, dass die Idee, das Zeit eine Währung ist klasse.  Aber die Umsetzung… Warum zum Beispiel altern die Menschen nicht mehr biologisch? Und warum ist das Ende so dämlich? Und was ist mit den losen Storybrocken, die sich um Justins Vater drehen und um seinen besten Buddy? Letztere hätte es überhaupt nicht gebraucht! Übrigens auch nicht dieses dämliche Armwrestling und die damit verbundene Story mit dem Unterschichtenfiesling.

Man fragt sich während des Films, wie Justin und sein Kidnapping-Opfer die ganze Misere lösen wollen. Das ist eigentlich das einzige „Spannende“, alles drum herum ist vorhersehbar, langsam und nur gewollt cool und stylisch. Aber am Ende verändert sich im Prinzip der Status Quo nicht. Irgendwann im Film sagt einer der Protagonisten „Why don’t they see, that they hurt the people they want to help, the most?!“. Joa, genau das passiert nämlich. Die zwei Robin Hoods verteilen die Zeit an alle Menschen um sie herum und was passiert? Nun, das gleich was passieren würde, wenn heutzutage alle Millionäre und Milliardäre ihr Geld an die Menschheit verteilen würden. Wenn eine signifikante Menge bei jedem landen würde, steigen die einfach Preise. Jajaaaa, das ganze ist eine Parabell auf den Kapitalismus und unsere Gesellschaft, aber muss die so öde sein?

Am Ende ist der Film für mich ein bisschen wie die „Matrix“, die Idee finde ich unfassbar super, die Umsetzung grottig schlecht. Oh und in beiden Streifen trägt man anscheinend schwarze, lange Ledermäntel. Die Tomaten liegen bei der Bewertung richtig, wie ich finde. Mehr als 35% würde ich auf der ingoversalen Skala auch nicht vergeben. Schade.

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