Die StasiVZ-Community

Eigentlich wollte ich etwas toootaaaaal witziges schreiben, aber nun bin ich auf den „Studentenprotest“ bei Studivz aufmerksam geworden – Spiegel Online berichtet. Vor einigen Tagen erhielten sämtliche Nutzer von studivz (also auch ich) eine Email mit der Ankündigung neuer AGBs. Das kam nicht sehr gut an in der Community, woraufhin es eine weitere Email gab, die die vorangegangene inhaltlich entschärfte und konkret auf geplante Änderungen hinwies. Unter anderem soll mit Hilfe der Sammlung privater Daten der Nutzer die Werbung auf der Website von Studivz personalisiert werden. „Private Daten“ ist hier natürlich ein relativer Begriff, wenn man sie der Weltöffentlichkeit auf einer Website preisgibt, so wie Fotos usw.

Der Aufschrei der Studenten war entsprechend groß, jetzt soll demonstriert werden! Anti-AGB-Gruppen werden gegründet, Namen verfälscht und Bilder gelöscht. Das alles kann den Eignern der Seite – dem Holtzbrinck-Verlag – natürlich nicht passen, hatten sie doch damals 50 Mio. Euro für die Kopie von Facebook ausgegeben. Allerdings frage ich mich jetzt schon ein wenig, was das ganze Getue der Studenten jetzt soll. Wenn ich meine persönlichen Daten, Fotos usw. auf eine Website stelle, muss ich mir doch darüber im Klaren sein, das diese Daten – vor allem bei einem kostenlos zur Verfügung gestellten Dienst – genutzt werden um irgendwie Geld zu machen. Es fallen durch die Bereitstellung des Dienstes natürlich Kosten an, die wahrscheinlich nicht mal Roman Abramowitsch einfach so aus Spaß – weil er ja quasi Geld scheisst – übernehmen würde, geschweige denn will und kann das der Holtzbrinck-Verlag. Und was liegt da näher, als zu versuchen die aufdringliche Bannerwerbung auf Studivz zumindest zu personalisieren, um so den Werbekunden ein attraktiveres Angebot zu erhöhtem Preis zu präsentieren?

Natürlich ist bei der Kommunikation der ganzen Geschichte – seitens Holtzbrinck – doch ein bisschen was schief gelaufen. Dass gerade die Nutzung privater Daten ein extrem sensibles Thema ist, besonders bei der Spezies Student, hätte den Holtzbrinck-Verantwortlichen sehr klar sein müssen. Dies mit einer lapidaren Email anzukündigen ist einfach grob fahrlässig und über die Art und Weise der Formulierung der ersten Mail will ich lieber gar nichts sagen… Dabei wäre es so einfach gewesen (sage ich jetzt einfach mal). Hätten die Macher des Studivz ein Diskussionsforum zu den geplanten AGBs eröffnet, wo sie konstruktiv mit den Usern über angedachte Maßnahmen diskutieren, Notwendigkeiten erläutern und vielleicht auch den ein oder anderen Kompromiss eingehen, wäre der Aufschrei bestimmt leiser ausgefallen. Studivz ist vergelichbar mit einer (zugegeben großen) Nachbarschaft und wenn die Stadtväter man in einer Nachbarschaft etwas eklatantes ändern wollen, zum Beispiel eine Siedlung von ehemaligen Schwerverbrechern direkt nebenan hochziehen, dann setzen sich die Verantwortlich am besten mit den Anwohnern in einem großen Raum zusammen diskutieren, werten aus, machen neue Vorschläge und versuchen so das Vertrauen der Anwohner aufrecht zu erhalten und sie in Entscheidungsprozesse einzubinden. Da wird nicht jeder glücklich werden, aber die Proteste auch wesentlich geringer ausfallen! Nun hat Studivz ja sogar die Möglichkeiten zu einer Diskussion und keiner muss sich vom bequemen Sessel entfernen, denn die Online-Plattform ist ja schon vorhanden. Genutzt wurde sie nicht…

Natürlich hätte der Prozess dann wohl ein bisschen länger gedauert und sich von Studenten in unternehmerische Pläne reinreden zu lassen, naja… da graust es mit Sicherheit dem ein oder anderen Manager vor – aber wenn man sich Studies nun mal als Zielgruppe aussucht?! Schon verrückt, da hat Holtzbrinck alle Daten der Studenten vor der Nase, preist wahrscheinlich bei potentiellen Werbekunden an, die Studenten und ihre Bedürfnisse in und auswendig zu kennen und was dann? Eieieiei! Tja, sie kennen ihre Zielgruppe wohl doch nicht so gut, ziemlicher GAU oder?

Ich denke trotzdem jeder MUSS selber wissen, ob er Studivz nutzt oder nicht und eben nicht erst seit der Ankündigung neuer AGBs. Und nun zu drohen ein „Fake-Profil“ online zu stellen ist aber mit Abstand mal der größte Humbug! Dann kann ich das Profil doch direkt löschen, welche Nutzen hat Studivz für einen selber, wenn man dort mit einem Fake-Profil vertreten ist!? Davon abgesehen konnte man ja schon immer selber entscheiden, wieviel Info man online stellt. Ob da die richtige Adresse zwingend notwendig ist? Oder die Telefonnummer? Darüber hinaus haben Human Resources Abteilungen nicht nur Google, sondern auch Studivz schon vor einiger Zeit für sich entdeckt, um sich dort über Bewerber zu informieren. Komisch, dass sich da kaum einer der studentischen Nutzer Gedanken darüber macht, wenn er die wochenendlichen Komafotos einstellt und mit wachsender Begeisterung auf sich und Freunde verlinkt. Ach und noch ein kleiner Hinweis, den mir ein Journalist gesteckt hat: Wenn ein junger Mensch – beispielsweise in einem Autounfall stirbt – was machen Zeitungen dann als erstes, um sich zu informieren und dann eine schöne Geschichte darüber schreiben zu können? … Genau, das Stasivz aufsuchen! Da brauchen die Bild-Redaktuere nicht mal mehr an der Haustür klingeln oder im Müll rumwühlen. Wie bequem!

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