Fast 5 – Filmkritik und Fetischbekenntnis

Sooo, nachdem ich für meine letzte Filmkritik ganze 5 „Likes“ (die Währung für den modernen, zeitbewussten Blogger) erhalten habe, werde ich übermütig und versuche mich direkt an einem neuen Streifen, den ich ebenso im Flugzeug gesehen habe. Es handelt sich um den Testosteron-Pubertäts-Action-Kracher Fast and the Furious 5 oder wie man unter Kennern einfach sagt: Fast 5. Den ersten Teil habe ich insg. etwa dreimal im Kino gesehen, sämtliche Nachfolger habe ich ignoriert.

Vorab: Der Film dauert etwa 120Minuten und ist mittlerweile auf DVD oder BluRay – auch in einer alle Filme umfassenden Collection – erhältlich.

Fast Five beginnt erstmal ruhig und nimmt sich lange Zeit, die Charaktere und die zarte Story langsam… neeeee. Fast Five startet mit einem riesigen Wumms. Es kracht und scheppert und proletet von der ersten Minute an derart derbe, dass man gar nicht dazu kommt Luft zu holen oder sich zu fragen „ist das physikalisch eigentlich in irgendeinem Universum möglich“? Aber worum gehts hier überhaupt, warum bummt es so? Ehrlich gesagt… ich weiß es nicht. Es geht um schnelle, gepimpte Autos und um diesen hübschen, blonden Ex-Undercover-Polizist und Vin Diesel der diesen gewissen „Dom(m)“ spielt. Die zwei wollen ein letztes Ding drehen und stinkreich werden, aber wäre das so einfach, würde das ja jeder machen. Immer wieder gestört werden sie u.a. von einem Super-Cop gespielt von The Rock und irgendwelchen Kriminellen. Diese Kriminelle werden eigentlich einzig dafür gebraucht, die Aktionen von Vin und seinen Kollegen nicht ganz so kriminell ausschauen zu lassen und am ende der harten aber sympathischen Super-Cop auf die Seite der Autobahn-Raser überlaufen zu lassen. Klar, dass dabei zahlreiche Autos, Gebäude und Menschen „unpimpt“ werden.

Ein Film-Kritik-Profi würde nun sicherlich den ganzen Plot aufdröseln, zusammenfassen und in einen historischen und gesellschaftlich relevanten Kontext stellen. Ich bin allerdings a. kein Profi und b. ist das bei diesem Film mehr als nur überflüssig. Da passiert nämlich quasi nix relevantes oder unvorhersehbares. Leider verschenkt der Regisseur aber zwischen den ersten 15 und den letzten 15 Minuten extrem viel Zeit mit diesem „Plot“. Passend, irgendwo zu Beginn des Films gibt es eine Actionszene an deren Ende Vin und Hübsch an einer Eisenbahnbrücke vorbei brettern und in einen Canyon stürzen. Der Sturzteil ist genreüblich in Slow Motion, davor und am Ende gehts fix-bumm-krach-zong. Ganz genau diese Szene beschreibt die Struktur des Films perfekt. Schnell, laaaaaaaaaaaaangsam, schnell.

Zurück zum Film: Logo, für den großen letzten Coup muss erstmal ein Team von Expertenverbrechern zusammengestellt werden, die geistig zwischen total verrückt und… total verrückt zu verorten sind – insg. dienen sie überwiegend dazu, lustige Sidekicks zu sein. Die Bösewichte werden vorgestellt, es gibt eine kleine aber eher lahme Verfolgungsjagd zu Fuß durch Rio und joa… es schleppt sich eben so dahin. Was bemerkenswert eigenartig ist, ist dass an einer Stelle Vin und der Hübsche ein Straßenrennen bestreiten, um ein Super-Auto zu gewinnen. Interessanterweise wird aber genau dieses Rennen gar nicht gezeigt. Dabei macht das doch die Serie aus, zeigen wie das Lachgas in dem Motor (oder so) gepumpt wird, wie sich die Fahrer immer wieder anschauen, mal der ein, dann der andere vorne ist. Plötzlich übersieht dann einer einen gewaltigen Tanklastzug und BUMM – oder vertu‘ ich mich? War der Film für das Flugzeug geschnitten? Oder spart man sich diese Stelle absichtlich für einen überteuerten Director’s Cut auf? Oder ist der Produktion hier das Geld ausgegangen? Interessanterweise gibt es aber später noch ein Rennen unter den Mitgliedern von Dom und Hübschens Crew. Der Ausgang wird dann noch zu so einer Art Running Gag, der das Ende des Films vorbereiten soll. Aber kommen wir wieder zur Action! Die letzten 15 Minuten widmen sich der Actionszene um einen gewaltigen Tresor gefüllt mit Schmiergeld, der, von zwei Autos gezogen, durch Rio geschleift wird. Dabei wird so einiges zerschmettert und pulverisiert – der Stahlkoloss reißt quasi Gebäude ein. Dass vermutlich eher der tonnenschwere Tresor die Autos durch die Gegend schleudern würde, als dass die Kisten den Brocken durch die Straßen ballern… nun ja, also korrekte Physik darf man nicht erwarten. Macht aber auch wirklich üüüberhaupt nix. Man kommt aus den „Wohooooo“s und den „Uiuiuiuiui“s gar nicht mehr raus. Achja, es gibt natürlich ein vorhersehbares Happy End, mit Sonne, Geld, Autos, Frauen, Schwangerschaft… hach…

Kurz zu der schauspielerischen Performance bzw. den Vocals. Allein Vin Diesels Stimme reicht schon aus, um diesen Film eine bessere Bewertung zu geben, als er vielleicht verdient. Das war ja schon bei Pitch Black und dem Nachfolger – der völlig anders heißt, aber dessen Name mir gerade entfallen ist – so. Ich will Sex mit Vin Diesels Stimme! Sämtliche andere Darsteller – außer The Rock und diese heiße Brunette (Jordana Brewster) – sind eigentlich… nun ja, also sie machen ihren Job nicht schlecht. Ich sags mal so: Ich würde mich schon „freuen“ sie in irgendwelchen Sitcoms als Neben- oder Gaststars wieder zu sehen. So nach dem Motto: „Ach deeeer, den kenn ich doch von… ach… ähm… shit…öh… gleich mal bei imdb.com schauen…“

Der Film macht während der Actionszenen eine gewaltige Menge Spaß, sofern man einen Nerv für Over-the-Top-Action hat und sich von dem proletenhaften Auftreten der Herrschaften nicht allzu abgestoßen vorkommt. Leider sind da auch die anderen Szenen, passenderweise durch mahnende Wort von The Rock eingeläutet als er sagt: „What ever you do, don’t let them get in their cars.“. Das scheint sich eben leider der Regisseur zu Herzen genommen zu haben. So verkommt der Hauptteil des Films zu einer öden Blabla-Proll und zu-Fuß-Verfolgungsjagd-Klopperei Brücke, die man am liebsten im Schnellvorlauf überquert.

Eine Guckempfehlung an alle, die gerne wilde Action, coole Typen und eine extrem überflüssige bzw. simple Story sehen! Kleiner Rezepttipp: Man kann den Mittelteil des Films prima als Zeit für (laute) Trinkspiele nutzen, umso farbenfroher und schnittiger wird sicherlich das Ende des Films.

3 Comments

  1. Ach Ingo, du bist aber auch gemein. Ich will ja wirklich nicht immer die Einzige sein, die hier kommentiert, aber: „Ich will Sex mit Vin Diesels Stimme!“? Sorry, da kann ich mich nicht zurückhalten, das ist so lustig 🙂

  2. Naja, solange der Blog zumindest noch gut gelesen wird, ist das ja schon mal ein kleiner Trost. Schon komisch mit den Kommentaren manchmal, bei mir werden hauptsächlich die Fotoposts kommentiert, dabei war meine Seite garnicht als Fotoblog geplant. Naja, geplant war ja eh nichts daran, hat sich alles so ergeben und dümpelt noch so munter vor sich hin. Vielleicht solltest du auf Englisch schreiben schonmal verglichen, was WordPress anzeigt, wenn du die Sprache von Deutsch auf Englisch stellst? Freshly pressed ist bunt und lustig, die angesagtesten deutschen Blog sind über Esotherik, Religion, Politik oder auch mal Sport. Nicht lustig, es sei denn du schreibst über Sport, dann kanns auch mal witzig sein. Könntest natürlich auch ausschließlich todernst über Polititkoder Umweltkatastrophen schreiben, dann gibt es sicher wieder Diskussionen, denen ich mich gepflegt enthalte. Ach, wird schon werden 🙂

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