Ganz ruhig, der will doch nur Kanzler werden!

Wenn ich etwas über Politik, Medien usw. schreibe, sind diese Einträge meist nicht so eloquent und so schön recherchiert und auch nicht so sachlich wie in anderen Blogs. Daher scheue ich mich immer wieder, einen weiteren Eintrag dieser Art zu verfassen. Heute aber war wieder einmal das nötige Maß innerer Aufregung erreicht, dass ich mich jetzt gerade dazu überwunden habe, etwas über die Guttenbergs zu schreiben. Also:

Karl Theodor Blablabla zu Guttenberg und seine Frau Stephanie waren für zwei Tage in Afghanistan zum Truppenbesuch. Mit dabei waren (natürlich) Journalisten, 2 CDU Ministerpräsidenten und Johannes Kerner. Logisch, dass direkt aus Medien und auch von der Opposition und der planlosen FDP Kritik aufkam – einerseits wegen Steffi und andererseits wegen Kerner. Letzteren mag ich ganz gerne. ich mag seine Art beim Fußball zu moderieren und seine Sendung habe ich auch ab und zu im ZDF gesehen. Ihn zähle ich allerdings nicht zu den Journalisten, sondern eher so zum Wohlfühlplauder-Ausrichter. Klingt despektierlich, halte ich aber durchaus für eine legitime Form der Talkshow. Auch Politiker müssen nicht zwingend immer bei Will, Illner usw. erscheinen. Dort dreschen sie eh nur ihre auswendig gelernten Phrasen, Mehrwert haben diese Auftritte nicht. Dann doch eher etwas über die Hobbies der Mächtigen bei Kerner erfahren. Kerners Sendung, die zu diesem Ausflug in die Krisenregion gemacht wird/wurde, ist also mit ziemlicher Sicherheit auch Wohlfühlprogramm. Hab ich nicht zwingend etwas gegen, aber muss man dazu nach Afghanistan? Kann man da nicht ehemalige Afghanistan-Soldaten in Deutschland interviewen? Ganz ehrlich: Total wurscht – wobei, vielleicht sogar besser, wenn die Soldaten aus der Region, in der Region erzählen und dazu auch noch der zuständige Minister dabei ist. Aber dass Kerner im Tross war, wäre sicherlich untergegangen wäre da nicht Miss „Tatort Internet 2010“ und Miss „Innoncence in Danger“ Steffi zu Guttenberg.

Nun seine Gattin… also ich habe (irgendwo) gelesen/gehört, dass die Soldaten zu Guttenberg ausdrücklich gefragt haben, ob er nicht mal seine Gattin mitbringen kann. Aha, ja wenn das so ist, dann… Neee, mal ehrlich!!! Den Soldat, dem ernsthaft im Kopf rumschwirrt, dass er Frau zu Guttenberg gerne beim nächsten Truppenbesuch des Ministers dabei hätte, möchte ich bitte einmal treffen. Diese Formulierung – so sie denn wirklich als Legitimation von zu Guttenberg verwendet wurde, ist totaler Mumpitz! Dann wurde geäußert (lese dazu hier), dass durch diesen Besuch, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung wieder auf die Soldaten in Afghanistan gelenkt wurde, was gerade zur Weihnachtszeit schön wäre. Prinzipiell mag das stimmen, aber die Aufmerksamkeit liegt eben nicht auf der Truppe, sondern auf dem Ehepaar plus Kerner. Auch soll durch Frau zu G. die Aufmerksamkeit auf die Frauen an der Front gerichtet werden. Auch wieder Quark, denn wie gerade geschrieben, steht eben der Besuch als solches, nicht die Truppe – ob männlich oder weiblich – im Vordergrund der Berichterstattung.

Nun kann man sagen, dass das eine Sache der Medien ist, welche Nachrichten sie auswählen und unter welchen Überschriften und thematischen Rahmungen sie diese veröffentlichen. Ich vermute, Leser und Schreiber dieses Blogs und darüber hinaus, sind sich einig, dass der Minister durchaus ein Gespür dafür hat, wie er mit Medien umgehen muss und was dann am Ende rauskommt. Man könnte auch sagen, er beherrscht das Spiel mit den Medien sehr gut. Nach dieser Herleitung möchte ich nun also vermuten, dass zu Guttenberg sehr genau wusste, dass bei dem Besuch genau Eines hängen bleiben wird, wie er mit seiner Frau die Truppen an der Front besucht. Und das wirkt absolut  staatsmännisch – wenn man die Bilder losgelöst von der ganzen Diskussion sieht. Man braucht außerdem sicherlich auch nicht lange in sich zu gehen, um zu der Überzeugung zu gelangen, dass der Adelige das Verteidigungsministerium nicht als Höhepunkt seiner politischen Karriere sieht, sondern eher Richtung Kanzleramt schielt. In dieser Hinsicht ist das also tolle Publicity. Gut, die Berichte aktuell sind… naja… aber irgendwann interessieren die Berichte nicht mehr, die Bilder des Machers, der Mama und des Papas der Nation bleiben hängen. Guttenberg kann und wird das natürlich nicht zugeben. Deshalb muss er sich jetzt aus der Situation herauswinden. Ich glaube, dass ihm das gut gelingen wird, denn er wird von den Medien doch sehr geliebt – was ich wiederum nicht nachvollziehen kann, führe es aber auf sein (angeblich) sportlich, junges, attraktives Aussehen zurück.

Nun abschließend darf auch noch einmal die Inkompetenz…. ich meine die Opposition in Ihrer fleischgewordenen Gestalt von Siegmar Gabriel (SPD) zu Wort kommen. Der meinte, bei dem Besuch würde nur noch Frau Katzenberger fehlen, da hätte wenigstens die Truppe noch etwas von. Joooooaaaaaaaaa. Hier sieht man, der SPD-Mann weiß anscheinend nicht so ganz wie das mit dem politischen Hin und Her und den Medien funktioniert. Natürlich nutzt die CDU/CSU diesen „Elfmeter mit Rensing im Tor“ und poltert moralisch aufgeladen zurück, der SPD-Spitzenmann solle sich sofort bei der Truppe entschuldigen. Und zack, steht „No-he-can’t“-Gabriel ganz schön belämmert da. Der entschuldigt sich natürlich nicht, die Regierung mault noch ein wenig und bald ist das eh Schnee von gestern.

Wie ich schon im vorletzten Absatz schrob, halte ich die ganze Nummer für eine große PR-Show, auch wenn man bedenkt, dass der (angebliche) Polit-Beau sehr gerne schöne Bilder von sich in Afghanistan oder auf dem Time Square schießen lässt,  da ist er Wiederholungstäter. Und nachdem seine Frau mit ihrem Auftritt bei RTL2 auch schon medial in der Diskussion stand (von ihr in der Öffentlichkeit Kenntnis genommen wurde), war es nur logisch, das beide auch einmal zusammen vor die Linse treten. Allerdings halte ich den jetzt gewählten Rahmen für unpassend und die Äußerungen „Truppe den Menschen in Deutschland an Weihnachten näher bringen“ und das Thema „Frauen in der Truppe“ fände durch den Besuch endlich in den Medien statt, für scheinheilig – die Herrschaften wussten ganz genau, was in den Medien passieren würde, worauf die Aufmerksamkeit gelenkt würde. Da hätte ich kreativere, verantwortungsvollere Argumente erwar… MOMENT… ich wollte schreiben „erwartet“, aber erwartet hab ich das eigentlich nicht… Ich kann mir allerdings auch keinen anderes Ereignis vorstellen, der so viel Aufmerksamkeit für das Ehepaar erzeugt hätte, wie eben ein Besuch in Kriegsgebiet. Aus dieser Perspektive taktisch gut gewählt bzw. alternativlos.

In meinen Augen instrumentalisiert der Verteidigungsminister hier ganz klar die Bundeswehr für seine persönlichen Zwecke, nämlich die Schärfung seines Profils und seine Karriere voran zu bringen. Aber das kann man ihm natürlich nicht nachweisen, sondern nur unterstellen. Ich glaube, dass zu Guttenberg seine Berufung zum Verteidigungsminister als Abstieg ansieht, vor der Wahl durfte er sich ja noch den Titel Wirtschaftsminister an die Bürotür nageln lassen. Nun versucht er aus diesem sehr trockenen und vielleicht auch undankbaren Amt das glamouröseste und karrierefördernste zu machen, was geht. Aber gut finden muss man das ja trotzdem nicht, wenn auch nachvollziehbar.

2 Comments

  1. unser zukünftiger Kanzler (nicht zwingend in der nächsten Leg.P.) hat hier PR technisch ganze Arbeit geleistet.

    100% sign, bin bzgl der Fazits voll und ganz deiner Meinung.

  2. Da bin ich – mal wieder – anderer Meinung!
    Ich denke nicht, das zu Guttenberg die Bundeswehr für seine Zwecke instrumentalisiert, sondern das wir endlich mal einen Verteidigungsminister haben, der seinen Job ernstnimmt und Kontakt zu den ihm untergebene Soldaten sucht, sie in ihrer schwierigen Lage vor Ort unterstützt. Das Interview – ich mag den Herrn Kerner nicht so wirklich, aber egal – ist es lediglich ein Versuch das Bild unserer Bevölkerung für die Lage der BW vor Ort in realistische Bahnen zu lenken. Sie sind nämlich nicht aus Spaß an der Freude dort, sondern im Auftrag des deutschen Volkes! (Anmerkung: Begonnen hat der Einsatz unter einer rot-grünen Regierung) Sie riskieren dort täglich ihr Leben und werden hier dafür verunglimpft, denn anders ist die Aussage des SPD-Parteivorsitzenden nicht zu verstehen, das nächste mal solle doch Frau Katzenberger mit damit auch die Soldaten etwas von dem Besuch haben. Ich wiederhole mich, die Soldaten (männlich wie weiblich) befinden sich in einem lebensgefährlichen Einsatz! Sie sind keine notgeile Randgruppe der Gesellschaft!
    Die Mitnahme von Frau zu Guttenberg ist vollends gerechtfertigt. Sie selbst hat sich dadurch auch in Gefahr begeben ohne, daß sie es musste. Vor Ort konnte sie mit den Soldaten und vor allem den Soldatinnen auf einer ganz anderen Ebene reden als der Vorgesetzte Ehemann als Verteidigungsminister. Wer hat dies zuvor schon mal gemacht??? Niemand!!! Nein die anderen zeigen ihre Ehepartner nur auf irgendwelchen Verleihungen mit ihren roten Teppichen; und die Medien feiern dies!
    Als Wichtigstes ist jedoch noch die Meinung der Soldaten der BW in Afghanistan zu hören, die nämlich die Besuche des Verteidigungsministers in der Art und „Häufigkeit“ außerordentlich begrüßen. (Bei der durchschnittlichen Verweildauer der Soldaten im Auslandseinsatz bekommt jeder Soldat zu Guttenberg eher ein- als zweimal. Das ist wenig)
    Wenn als Nebeneffekt zu Guttenbergs Beliebtheit steigt, ist dies halt so. Bisher hat wohl eher jeder Politiker diesen Posten als bedeutungslos angesehen, traurig. Ich bin jedenfalls beeindruckt von dieser Amtsauffassung. Täte vielen anderen auch sehr gut.

    Gruß
    OG a.D Martin

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